Ausstellung

Bildern unserer verlorenen Stadt an der Oberen Königsstraße: Vom Kaufhaus Tietz zur Galeria

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Die gleiche Perspektive: Die historische Aufnahme von 1911 zeigt das Kaufhaus Tietz. Gabriela Wolf-Eichel (Freunde des Stadtmuseums), Nicola Mütterthies (Kasseler Sparkasse) und Markus Geulig (Galeria Kaufhof, von links) mit einem der großformatigen Fotos, die in der Ausstellung zu sehen sind.

Kassel. Im Jahr 1911 sorgte das Kaufhaus Tietz an der Oberen Königsstraße für einen Ansturm der Kunden. Das repräsentative Gebäude mit seinen großen Schaufensterfronten war eine Attraktion.

Bisher erschienen im Regiowiki Rundgand 1 und Rundgang 2

100 Jahre später feiert die Galeria Kaufhof den runden Geburtstag des Kasseler Standortes. Am 5. Oktober ist es so weit. Der Kaufhof ist deshalb ein zentraler Ausstellungsort für die „Bilder unserer verlorenen Stadt“. In den Schaufenstern und vor den Aufzügen sind historische Fotos mit Texten des Kasseler Historikers Christian Presche zu sehen. Für die Gestaltung ist die Grafikerin Andrea Obijou verantwortlich.

„Wir wollen den Geburtstag mit unseren Kunden feiern und freuen uns, Gastgeber für die Ausstellung sein zu können“, sagt Kaufhof-Organisationsleiter Markus Geulig.

Vergleich zwischen früher und heute: Im Schaufenster der Engel-Apotheke an der Ecke zur Wilhelmsstraße ist diese Aufnahme der Oberen Königsstraße zu sehen.

Der Standort hat eine wechselhafte Geschichte. 1933 musste die Leonard Tietz AG ihren Besitz weit unter Wert an Banken abgeben. Was die Nationalsozialisten Arisierung nannten, war für viele Unternehmen mit jüdischen Besitzern eine Enteignung. Die Leonard Tietz AG hatte unter anderem Häuser in Köln, Aachen, Wuppertal und am Stammsitz in Stralsund. Die Familie, zu der auch Hertie-Gründer Hermann Tietz gehörte, emigrierte. Sie wurde nach dem Krieg mit fünf Millionen D-Mark entschädigt.

Nachfolger in Kassel wurde die Westdeutsche Kaufhof AG, heute Galeria Kaufhof. In der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 wurde auch das Kaufhof-Gebäude schwer beschädigt. Es brannte vollständig aus, war aber so solide gebaut, dass es bereits ab 1945 wieder nutzbar war. Zehn Jahre später wurde das Gebäude dann doch noch abgerissen. Es musste Platz für einen Neubau machen.

Die Ausstellung ermöglicht bis Ende Oktober einen Vergleich zwischen früher und heute. Das gilt auch für die weiteren Standorte an der Oberen Königsstraße von der Engel-Apotheke über Heinsius und Sander, die ADAC-Geschäftsstelle bis über die Fünffensterstraße im Schaufenster der Fahrschule Dieter Stielow.

Mehr im Internet unter      http://zu.hna.de/o8trZV

Von Thomas Siemon

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