Hartz-IV-Familien in Stadt und Kreis nehmen Chance nicht wahr

Bildungspaket: Nur knapp 16 Prozent der Hartz-IV-Familien stellen Anträge

Kassel. Das von der Bundesregierung auf die Beine gestellte Bildungspaket für Kinder aus armen Familien kommt offenbar in Stadt und Landkreis Kassel bei den Bedürftigen nicht in dem erwünschten Maß an. Das belegen die Zahlen vom Juni.

Nach Angaben der Stadt haben von 10.012 Antragsberechtigten lediglich 1562 Anträge auf Bildungsgutscheine gestellt. Das entspricht einer Quote von 15,6 Prozent.

Von diesen Anträgen, die ab April gestellt werden konnten, sind nach Auskunft von Sozialdezernent Dr. Jürgen Barthel bislang 952 bewilligt worden. Der Grund sei, dass Eltern die Anträge für ihre Kinder unvollständig ausgefüllt hätten und viele Rückfragen erforderlich seien.

Noch geringer fällt die Zahl im Landkreis Kassel aus: Dort haben die betroffenen Eltern von 4200 Kindern lediglich 440 einen Antrag gestellt (10,5 Prozent). Die Jobcenter bearbeiten die Anträge. Die Eltern seien alle ausreichend informiert worden, heißt es dort.

Jürgen Barthel hält die Initiative des Bundes für problematisch. Für die betroffenen Menschen bedeute das Ausfüllen von Anträgen einen hohen bürokratischen Aufwand und für die Jobcenter einen hohen personellen Einsatz, der viel Geld koste. Seine Bilanz: „Ein ganz schwieriger und schleppender Prozess.“

Susanne Selbert, Vizelandrätin im Kreis, spricht von einer „großen Stigmatisierung“ der armen Familien. Für die Leistungen müssten bei Vereinen und Schulen Anträge gestellt werden. Weil viele Familien ihre finanziellen Probleme nicht an die große Glocke hängen wollten, scheuten sie davor zurück. Sehr viel besser wäre es gewesen, wenn Kinder beispielsweise kostenlosen Zugang zu Mittagessen und Nachhilfe hätten. Auch hiesige Elternvertreter und die Lehrergewerkschaft GEW kritisieren das Bildungspaket als „bürokratisches Monstrum“.

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