Vielfacher Lebensretter

Rekord beim Blutspendedienst: Der Kasseler Ulrich Machal hat schon 500 Mal Thrombozyten gespendet

Ulrich Machal liegt auf einer Liege und ist für die Thrombozytenspende an das Apharesegerät angeschlossen
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Stammplatz: Alle drei bis vier Wochen kommt Ulrich Machal für eine Thrombozytenspende zum DRK-Blutspendedienst, vorn im Bild das Apharesegerät. Zur 500. Spende gratulierten auch Dr. Azizullah Habibi und Regina Reese.

Das gab es noch nie: Seine 500. Thrombozytenspende hat jetzt ein Kasseler beim DRK-Blutspendedienst abgegeben. Wir haben uns mit dem Rekordhalter getroffen.

Kassel – Eigentlich bringt Ulrich Machal ja jedes Mal genug mit, wenn er zum Kasseler Institut des DRK-Blutspendediensts kommt. Nämlich sein Blut oder genauer gesagt: seine Blutplättchen, die Thrombozyten. Doch Geben liegt dem 56-Jährigen ganz offensichtlich, und so hatte er bei seiner 500. Thrombozytenspende sogar noch Schokoküsse für das Team des Blutspendediensts dabei.

Ein großes und herzliches Hallo gibt es immer, wenn der Zwei-Meter-Mann, dessen positive Ausstrahlung ebenso raumfüllend ist wie seine Körpergröße, in die Räume an der Mönchebergstraße kommt. Es ist ein Treffen unter guten Bekannten, fast schon Freunden. Alle drei bis vier Wochen nimmt der Kasseler sich etwa anderthalb Stunden Zeit, um anderen Menschen das Leben zu retten oder zu verlängern. Auf 500 Thrombozytenspenden ist er so im Lauf der Jahre gekommen – die klassischen Vollblutspenden nicht mitgerechnet, die er zwischendurch auch macht.

Beeindruckt und dankbar zeigte sich auch Institutsdirektor Dr. Markus Müller. „Sie sind der erste Fünfhunderter, von dem ich je gehört habe“, sagte der Transfusionsmediziner. „Das schafft man normalerweise in zwei Leben nicht.“ Thrombozyten, die relativ schnell nachgebildet werden, darf man theoretisch alle 14 Tage spenden.

Um auf eine derart hohe Spendenzahl zu kommen, so Müller, müsse man früh anfangen, das Spenden sehr ernst nehmen und auch einen Arbeitgeber haben, der mitspielt. All das ist bei Ulrich Machal der Fall. Der Elektrotechniker arbeitet bei dem Kaufunger Messtechnik-Unternehmen Sika.

Da das Thrombozytenkonzentrat nur wenige Tage haltbar ist, wird Machal manchmal auch kurzfristig angerufen, wenn eine Spende mit seinen Merkmalen dringend benötigt wird. Immer, wenn es sich einrichten lässt, ist er dann zur Stelle. „Als Feuerwehrmann oder Straßenbahnfahrer wäre das deutlich schwieriger“, sagt der Vater eines erwachsenen Sohnes.

Zum Blutspender wurde Ulrich Machal als junger Mann, als sein Großvater im Zuge einer Krebsbehandlung Blutkonserven erhielt. „Da habe ich nachgefragt: Wo kommt das Blut eigentlich her?“ Der Großvater erlag damals seiner Krankheit, doch Machals Wunsch, anderen zu helfen, war erwacht. „Ich bin froh, dass ich auf der Geben-Seite statt der Nehmen-Seite sein darf“, sagt der 56-Jährige – gerade wenn er sich klarmache, dass auch viele Menschen in seinem Alter auf Blutspenden angewiesen seien. Deshalb werde er weitermachen, so lange er kann.

In mehr als 25 Jahren Spendentätigkeit hat Machal auch den Wandel der Transfusionsmedizin miterlebt. Früher wurden für die Thrombozytenspende noch beide Arme punktiert, sodass man nahezu bewegungsunfähig auf der Liege lag, erinnert er sich. „Da musste ich dann sagen: Regina, kratz mich mal am Kopf“, sagt er mit einem Lachen zu Blutspendedienst-Mitarbeiterin Regina Reese, die ihn seit Jahren begleitet. Auch dauerte die Spende mit 90 Minuten damals so lange wie ein Spielfilm. Und so wurden für die Spender tatsächliche Videokassetten eingelegt. Heute laufen Zu- und Abfluss des Bluts über einen Arm, und der Vorgang dauert nur noch 30 bis 60 Minuten. Machal nutzt die Zeit gern zum entspannten Lesen.

Nach seinem 500. Mal verließ er das Blutspendeinstitut übrigens hoch dekoriert: Neben einem Präsentkorb und einem 100-Euro-Einkaufsgutschein bekam der Rekordspender gleich zwei Ehrennadeln vom DRK verliehen: Weil es eine Auszeichnung für 500 Blutspenden gar nicht gibt, darf er sich eine 200er- und eine 300er-Nadel anheften. Vielleicht sollte der Blutspendedienst rechtzeitig über die Auflage einer 750er-Ehrennadel nachdenken. Denn Ulrich Machal wird in spätestens drei Wochen wieder auf der Matte stehen. (Katja Rudolph)

Thrombozytenspende

Die Blutplättchen (Thrombozyten) spielen bei der Blutgerinnung und der Immunabwehr des menschlichen Körpers eine wichtige Rolle. Ohne Thrombozyten ließen sich lebensbedrohliche, vor allem innere Blutungen nicht stillen. Neben Patienten mit hohem Blutverlust bei OPs oder nach Unfällen sind auch viele Leukämie- und andere Krebspatienten auf Thrombozytenspenden angewiesen, weil sie die Blutplättchen nicht nachbilden können. Auch Neugeborene benötigen manchmal Thrombozytenspenden. Bei einer Thrombozytenspende können fünf- bis sechsmal mehr Blutplättchen gewonnen werden als bei einer Vollblutspende. Dabei werden über einen Zellseparator nur die Thrombozyten aus dem Blut des Spenders herausgefiltert, die restlichen Blutbestandteile fließen direkt zurück. Da nur ein kleiner Teil des Bluts entnommen wird, kann man in der Regel alle 14 Tage Thrombozyten spenden. Ob die Thrombozyten eines Spenders für einen Patienten passen, hängt neben der Blutgruppe von weiteren Gewebemerkmalen ab.

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