Witzenhäuser wirkt an EU-weitem Forschungsprojekt zur Echtheit von ökologischen Nahrungsmitteln mit

Dem Bio-Fingerabdruck auf der Spur

Johannes Kahl

Witzenhausen. Betrügereien mit angeblich ökologisch erzeugten Nahrungsmitteln machen immer wieder Schlagzeilen. Erst im Dezember deckten italienische Ermittlungsbehörden einen groß angelegten Handel mit gefälschten Bioprodukten auf. Rund 17 000 Tonnen konventionell erzeugte Futter- und Lebensmittel sollen als Bioware deklariert und in halb Europa verkauft worden sein.

Um Bio-Betrügern in der Nahrungsmittelbranche das Leben schwer zu machen, arbeiten Wissenschaftler aus elf europäischen Ländern jetzt zusammen an einem Projekt mit dem Titel „Authentic Food“. Von deutscher Seite beteiligt ist Dr. Johannes Kahl vom Fachgebiet Ökologische Lebensmittelqualität und Ernährungskultur der Universität Kassel am Standort Witzenhausen.

„Der Anteil ökologischer Lebensmittel am Markt wächst stetig um rund 15 Prozent pro Jahr“, erklärt Kahl. Diese Lebensmittel würden oft zu einem höheren Preis angeboten als konventionelle Produkte. Obwohl der Öko-Prozess zu den „am meisten kontrollierten“ gehöre und damit „schon sehr sicher“ sei, locke die Marktsituation immer wieder Betrüger an.

Bislang findet die Kontrolle der Ökobranche vor allem über Zertifizierungen statt. Nahrungsmittel dürfen als Bioprodukte verkauft werden, wenn der landwirtschaftliche Betrieb als Ökobauernhof anerkannt und entsprechend zertifiziert ist. „Zusätzlich zur Zertifizierung könnten Beweismethoden beitragen, um Verdachtsfälle schnell und zuverlässig zu klären“, sagt Kahl.

Dabei gehe es nicht darum zu sagen: „Das ist Öko“, sondern: „Es sieht so aus, als sei das kein Öko“, betont der Wissenschaftler. Ziel sei es, dem Konsumenten damit mehr Sicherheit zu bieten.

Die Wissenschaftler wollen im Rahmen von „Authentic Food“ nun eine Vielzahl von analytischen Methoden bewerten und so klären, inwieweit damit zuverlässige Aussagen über die Produktionsweise der Lebensmittel getroffen werden können. In dem Projekt soll gewissermaßen der spezifische Fingerabdruck ökologischer Lebensmittel gesucht werden.

Hinweise zur Herkunft

In den vergangenen Jahrzehnten wurden viele unterschiedliche Analysemethoden entwickelt. Damit können Wissenschaftler nicht nur feinste Spuren von Pestizidrückständen ermitteln, sondern auch die geografische Herkunft mancher Lebensmittel erkennen.

Ziel der an „Authentic Food“ beteiligten Wissenschaftler ist es nun, die sinnvollste Kombination aus diesen Analysemethoden zu finden, um ebenso rasch wie zuverlässig echte Bioprodukte von Fälschungen unterscheiden zu können.

Von der Theorie in die Praxis

„Zu diesem Zweck arbeiten wir mit Laboren in Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien und Tschechien zusammen“, sagt Kahl, der am Ende des Prozesses den Transfer der Methoden in die Praxis leitet. Das Projekt „Authentic Food“ läuft noch zwei Jahre und wird von verschiedenen Ministerien der beteiligten Länder finanziert. Foto: Schröter

Von Per Schröter

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