Info auf dem Königsplatz

Greenpeace fordert in Kassel nur noch Bio-Kantinen - Rat: "Einfach weniger essen"

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Info über Fleischverzehr: (von links) Margareta Malmgren Köller (Greenpeace) mit Marcel und Lothar Günther und Alexander Büttner. 

Greenpeace fordert, dass in allen öffentlichen Kantinen in Kassel nur Bio-Nahrung verkauft wird. Ein Mann berichtet, dass er Bio-Lebensmittel containert. 

Ein Mensch in Deutschland esse pro Jahr 60 Kilogramm Fleisch, sagt Alexander Büttner von Greenpeace Kassel. Das sei deutlich zu viel. Der Pro-Kopf-Verbrauch müsse drastisch reduziert werden, auf 16 Kilogramm. Warum? „Fleisch ist ein Klima- und Waldkiller“, sagt Büttner. Um Futtermittel für die industrielle Landwirtschaft anzubauen, wie zum Beispiel Soja, werde der Regenwald in Südamerika abgeholzt. Allerdings würde der Regenwald im Amazonas als CO2-Speicher dringend im Kampf gegen die Klimakrise benötigt.

Mit weiteren Mitstreitern aus der Ortsgruppe Kassel stand Büttner am Samstag auf dem Königsplatz, um aufzuklären und Unterschriften zu sammeln. Die Umweltaktivisten wollen nicht nur, dass die Bundesregierung ein Lieferkettengesetz auf den Weg bringt, das Unternehmen verpflichtet, auch im Ausland Umweltstandards und Menschenrechte zu achten.

Bio-Essen will Greenpeace für alle Kantinen in Kassel

Sie fordern auch, dass alle öffentlichen Kantinen in Kassel, zum Beispiel bei Behörden, an der Uni, in Kitas und in Schulen, auf 100 Prozent Bio-Nahrung umgestellt werden.

Wer dafür ist, konnte eine entsprechende Wertmarke unterschreiben. Die über 100 Marken, die auf diesen Weg am Wochenende zusammen kamen, sollen demnächst der Stadt Kassel übergeben werden.

Bio-Produkte, vor allem Bio-Fleischwaren sind allerdings meist teurer als andere Nahrung im Supermarkt. Wie soll das finanziert werden? „Einfach weniger essen. Dann haben die teureren Produkte am Ende keine negativen Auswirkungen auf das Portemonnaie“, sagt Kilian Guillas von Greenpeace.

Lebensmittelskandale sind hausgemacht: Diese Ansicht vertreten Steffen und Susanne Hausch aus Meißen.

Nicht alle Passanten wollten die Greenpeace-Mitarbeiter unterstützen, manche wollten nur diskutieren. „Das gute Fleisch können sich normale Menschen doch gar nicht leisten. Das wissen Sie doch“, sagte ein älterer Mann, der am Stand stehen geblieben war. Zudem vertrete er die Meinung, dass jeder durch die Medien aufgeklärt sei, was gut ist und was nicht. Wenn er zum Beispiel Gulasch machen wolle, kaufe er das Rindfleisch am Stück, damit ihm keine klein geschnittenen Abfälle angedreht würden.

Bio-Lebensmittel: Wie wichtig ist Bio-Essen den Menschen?

Wie wichtig ist den Menschen gesunde Nahrung? „Ich habe kein Geld, um überhaupt Lebensmittel zu kaufen“, sagte ein 55-jähriger Mann, der auf dem Königsplatz saß. Dennoch lege er Wert auf gute Produkte. „Ich versuche, Bio-Lebensmittel aus dem Container von tegut zu holen. Seitdem ich fünf Jahre alt war, ist es mir nicht mehr egal, was ich esse.“

Über Fleisch- oder Milchskandale macht sich Steffen Hausch aus Meißen bei Dresden keine Gedanken. „Ich trinke keine Milch“, sagt er am Samstagmittag und stößt mit seiner Frau Susanne auf dem Königsplatz mit einem Glas Weißwein an.

Zudem schlachte er sein Schwein selbst und bekomme Wildschwein von einem Jäger. Bio-Produkten stehe er skeptisch gegenüber. Zumindest Bio-Wein. „Der schmeckt mir ganz schlecht“, sagt Hausch. Lebensmittelskandale sind seiner Meinung nach hausgemachte Probleme. Das liege an der „Geiz-ist-geil-Mentalität“ vieler Menschen.

Lothar Günther aus Fuldatal hat die Greenpeace-Mitarbeiter mit seiner Unterschrift unterstützt. Er lege großen Wert auf regionale Nahrung. Auf Fleisch will der Rentner allerdings nicht verzichten. „Früher habe ich das Schwein gekannt, das ich gegessen habe“, erzählt Günther. Früher habe man nach dem Schlachten aber auch das komplette Tier verwertet. „Da blieb nichts übrig. Heute wollen die meisten doch nur Kotelett und die Lende. Der Rest bleibt liegen.“

Einen Tipp für die Nachhaltigkeit lieferte auch der 55-jährige Mann ohne Geld. „Nix nach Deutschland einführen, nix ausführen. Weder Müll noch Lebensmittel“, lautet sein Vorschlag.

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