Wissenschaftler arbeiten an international gültigem Qualitätskatalog

Biokost auf dem Prüfstand

Alles Bio: Gudrun Baake von der Gärtnerei Graw aus Speele mit Radieschen und Kohlrabi auf dem Kasseler Wochenmarkt. Wissenschaftler der Uni Kassel wollen den Mehrwert ökologischer Lebensmittel erforschen. Foto: Dilling

Kassel. Die Deutschen sind - nach den USA - Vizeweltmeister im Verzehr von Bio-Lebensmitteln. Mit einem Umsatz von fast sechs Milliarden Euro liegen sie auch in Europa weit vorn. Doch sind die wirklich besser für die Gesundheit als konventionell erzeugtes Gemüse und Früchte? Sind sie in Bezug auf Frische, fehlende Zusatzstoffe und Geschmack tatsächlich überlegen? Wissenschaftler aus ganz Europa unter Federführung der Universität Kassel am Standort Witzenhausen entwickeln zur Beantwortung dieser Fragen ein Bewertungs- und Forschungskonzept, das länderübergreifend gelten soll.

Gesetzliche Regeln auf europäischer oder nationaler Ebene für die Qualität von Bio-Lebensmitteln deckten nicht alle Kriterien ab, die ein hochwertiges ökologisch erzeugtes Produkt ausmachen, sagt Privatdozent Dr. Johannes Kahl vom Fachgebiet Ökologische Lebensmittelqualität und Ernährungskultur an der Universität Kassel in Witzenhausen. In einem gerade veröffentlichten Aufsatz hat Kahl ein System von Indikatoren, Kriterien und Analysemethoden zusammengetragen, das wegweisend für die weitere Erforschung, Entwicklung und Verbreitung hochwertiger Bio-Lebensmittel in Europa sein könnte. Das Bio-Lebensmittel sei dabei auf seinem gesamten Weg vom Acker bis auf den Essenstisch des Konsumenten im Visier der Forscher, sagt der Wissenschaftler.

Intensivere Analysen solcher Lebensmittel und ein Katalog allgemeinverbindlicher Kriterien seien nötig, um die Qualität zu steigern und so die Vermarktung von Öko-Lebensmitteln zu erleichtern und weitere Käuferkreise zu erschließen, erklärt Kahl. Denn Konsumenten zahlten für Bio-Produkte einen höheren Preis, weil sie sich davon einen Mehrwert für sich versprechen.

Die Agrarwissenschaftler in Witzenhausen setzen sich seit Jahren auf internationaler Ebene für einheitliche Forschungs- und Bewertungsmethoden bei Öko-Lebensmitteln ein. Während einer Konferenz über Bio-Nahrung mit 150 Wissenschaftlern aus 30 Ländern in Prag sei vergangenes Jahr ein Durchbruch erzielt worden, sagt Kahl. Der Wissenschaftler ist Vorsitzender der Internationalen Gesellschaft für Lebensmittelqualität und Gesundheit (FQH), die diese Konferenz ausgerichtet hat. 2013 soll es eine weitere geben. Archivfoto: Schröter

Johannes Kahl u. a., „Organic food quality“, online veröffentlicht in wileyonlinelibrary.com

Von Peter Dilling

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