Nachruf

Jürgen Strube ist tot: Kasseler war bis zuletzt im Einsatz für Stolpersteine in der Stadt

Kassel: Jürgen Strube starb im Alter von 72 Jahren.
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Kassel: Jürgen Strube starb im Alter von 72 Jahren.

Am Montag (11.10.2021) ist Jürgen Strube vom Vorstand des Vereins Stolpersteine in Kassel im Alter von 72 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

Kassel ‒ Als am Dienstag (12.10.2021) am Pferdemarkt Stolpersteine für die Kasseler Familie Ziering eingeweiht wurden, fehlte unerwartet eine bedeutende Person: Jürgen Strube. Als Vorstandsmitglied des Vereins Stolpersteine in Kassel hatte er in langer Recherchearbeit die Gedenkblätter für die Familie verfasst. Ihre Mitglieder waren unter dem Hitler-Regime verfolgt, vertrieben und ermordet worden.

Im Rahmen der feierlichen Einweihung der Gedenksteine vor dem Wohnhaus der Zierings am Pferdemarkt war vorgesehen, dass Jürgen Strube seine Recherchen vorliest. Unter den Anwesenden waren auch Nachfahren der Zierings, die eigens aus Israel und den USA nach Kassel gekommen waren.

Stolpersteine in Kasssel: Strube stellte Kontakt zur jüdischen Familie her

Doch am Abend zuvor war Jürgen Strube im Alter von 72 Jahren an einem Herzinfarkt verstorben. Die Betroffenheit unter den Gästen war groß. Bis zuletzt hatte Strube die Zierings zusammen mit anderen Vereinsmitgliedern bei einer Tour durch Kassel begleitet und mit ihnen noch am Montag die Synagoge besucht.

Debby Ziering, Tochter des in Kassel geborenen und als junger Mann in die USA emigrierten Hermann Ziering, war tief berührt. „Jürgen Strube war ein sehr freundlicher Mann. Er hat unserer Familie mit seinen Nachforschungen einen enormen Dienst erwiesen.“ Weil Strube Debby Ziering vor Jahren ausfindig gemacht und übers Internet kontaktiert hatte, war der Austausch zustande gekommen. Die Zierings konnten so dem Stolperstein-Verein viele private Dokumente und Fotos zur Verfügung stellen.

Kassel: Jürgen Strube verbrachte gerne Zeit mit seinen Enkelkindern

Der 1949 in Kassel geborene Jürgen Strube arbeitete als Lehrer, bis er sich nach seiner Pensionierung ganz dem Verein Stolpersteine in Kassel widmete. Dort gehörte er als Schatzmeister dem Vorstand an. Im Jahr 2013 hatte er den Verein mit aus der Taufe gehoben.

Strube war am Kasseler Gymnasium Albert-Schweitzer-Schule Lehrer für Deutsch, Kunst und Darstellendes Spiel. Davor war er lange Jahre Lehrer in Rotenburg. Er ist Vater von zwei Kindern und verbrachte zuletzt besonders gerne Zeit mit seinen Enkeln. Jürgen Strube war verheiratet. Zuletzt lebte er in Kassel, davor in Ahnatal. Dort war er unter anderem in der Tanzsportabteilung des Sportvereins Weimar 1906 Ahnatal aktiv.

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„Jürgen Strube war ein total liebenswürdiger Mensch“, sagt sein ehemaliger Kollege an der ASS und Vereinsfreund Wolfgang Matthäus: „Er war ein echter und verlässlicher Teamplayer und unternahm gerne Sachen mit anderen.“ Er hinterlasse im Verein Stolpersteine in Kassel eine große Lücke. (Christina Hein)

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