Kassel: Bisher kaum Freiwillige für neuen Bundesdienst

Kassel. Für den neuen Bundesfreiwilligendienst, der ab 1. Juli den Zivildienst ablösen soll, gibt es im Raum Kassel bislang noch kaum Bewerber. Sozial- und Rettungsorganisationen nennen dafür als Hauptgrund, dass die Rechtslage immer noch weitgehend unklar sei.

Unter anderem wurde Freiwilligen unter 25 Jahren die Weiterzahlung von Kindergeld in Aussicht gestellt, ein entsprechender Beschluss im Bundesrat steht jedoch noch aus. In Stadt und Landkreis Kassel gibt es laut Bundesamt für zivilgesellschaftliche Aufgaben 527 Zivildienstplätze, die im Prinzip alle auch für den neuen Freiwilligendienst anerkannt werden können.

Allerdings war zuletzt nur noch knapp ein Viertel dieser Plätze besetzt. Mit Aussetzung der Wehrpflicht ab 1. Juli entfällt auch der Zivildienst.

Freiwillige sind noch rar

Wenige Tage vor dem Start des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) zum 1. Juli haben sich im Raum Kassel bislang noch fast keine Ehrenamtlichen vertraglich für dieses neue Angebot verpflichtet. „Es gibt noch ganz viele Fragen und Unsicherheiten, die die Vermittlung schwierig machen“, sagt Jörg Schäfer, der beim Zentrum für Freiwilligen-, Friedens- und Zivildienst der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck die Bewerbungsgespräche führt.

Der BFD rückt auf freiwilliger Basis an die Stelle des Zivildienstes, der mit Aussetzung der Wehrpflicht zum 1. Juli entfällt. Anders als beim Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), das auf Länderebene organisiert wird und für junge Leute bis zum 27. Lebensjahr gedacht ist, steht der Bundesfreiwilligendienst auch älteren Interessenten offen.

Bisher hat sich laut Schäfer etwa ein Dutzend Personen aus dieser Altersgruppe bei der Evangelischen Landeskirche und ihren diakonischen Einrichtungen für den BFD interessiert – eine höchst überschaubare Resonanz angesichts der Tatsache, dass die Kirche Kurhessen-Waldeck zu den größten Anbietern von Freiwilligenstellen in der Region gehört. Allein in Nordhessen beschäftigt sie noch immer über 100 Zivildienstleistende, all diese Stellen können grundsätzlich auch für den Bundesfreiwilligendienst anerkannt werden.

Doch erst eine feste Dienstvereinbarung ist in diesen Tagen unterzeichnet worden, sagt Jens Haupt, Leiter des landeskirchlichen Zentrums für Freiwilligendienste. Zugleich werde das Personal im Auslaufmodell Zivildienst von Tag zu Tag weniger. „Das wird von den Zahlen her nie und nimmer ersetzbar sein“, meint Haupt. Neben den Zivis beschäftigt die Landeskirche andererseits etwa die gleiche Zahl junger Menschen, die ein Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr absolvieren. Warum also werden nicht einfach entsprechend mehr Freiwillige in diesen gut eingeführten Orientierungsangeboten rekrutiert?

Für BFD-Kräfte werden Beschäftigungsträger aus heutiger Sicht höhere Zuschüsse bekommen, sagt Haupt. Dies wolle man sich als Finanzierungsbaustein für die gesamte Freiwilligenarbeit nicht entgehen lassen. Nach den Vorstellungen des Gesetzgebers dürfe man aber nur so viele Bundesfreiwillige nehmen, wie man auch FSJ-Kräfte beschäftige. Und die seien ja auch nicht in beliebiger Menge verfügbar.

Das Hauptproblem sei, dass kurz vor dem Start des Bundesfreiwilligendienstes noch weitgehend Unklarheit über die genauen Rahmenbedingungen herrsche – für die Freiwilligen selbst wie auch für die Einsatzstellen, zu denen die Zivildienstleistenden bislang sozusagen automatisch kamen.

Bei der älteren Zielgruppe für die Freiwilligenarbeit gebe es ein ganz neues „Spannungsfeld zwischen klassischem Ehrenamt und Beschäftigung“, sagt Haupt mit Blick auf das Taschengeld und die Sozialleistungen für die BFD-Kräfte. Laut Jörg Schäfer fragen sich die Verantwortlichen in vielen Einsatzstellen, warum sie einem Teil ihrer Ehrenamtlichen eine Vergütung zahlen sollen und anderen nicht.

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