Bittere Pillen für die Apotheker - Verkauf von Drogerieartikeln soll eingedämmt werden

Kassel. Die Apotheken sollen sich auf ihr Kerngeschäft besinnen und weniger Drogerieartikel verkaufen. Das sieht ein Entwurf des Bundesgesundheitsministeriums vor, mit dem die Betriebsordnung der Apotheken neu geregelt werden soll.

Die Apotheker sollen sich stärker auf die Beratung konzentrieren und Diskretionszonen einrichten. Die Pläne sorgen in der Branche für Aufregung. So befürchtet der Kasseler Apotheker Rüdiger Becker (Kö-Apotheke), dass manche Apotheken die erforderlichen Umbauten nicht leisten können und schließen müssen. Dies gehe zu Lasten der wohnortnahen Versorgung der Bevölkerung.

Die vorgesehene Begrenzung des Begleitsortiments wie Kosmetik, Wärmflaschen und Vitaminpräparate auf 30 Prozent der Fläche sehen die Apotheker ebenfalls kritisch. „Damit stützen wir den Medikamentenverkauf“, sagt Becker. Den Umsatzanteil von Kosmetik und Co. in seiner Apotheke beziffert er auf 15 Prozent. Pro verkauftem Medikament erhalte man im Schnitt 6,50 Euro. „Damit müssen wir alle Kosten decken. Das ist äußerst knapp.

Deshalb brauchen wir das Nebensortiment.“ Zudem fielen ab 2011 Rabatte beim Medikamenteneinkauf weg, die beim organisierten Bestellwesen gewährt worden seien. Apotheker Klaus Parzefall (Post-Apotheke) sieht auch die Abteilungen der Apotheken in Gefahr, in denen individuelle Medikamente zum Beispiel für Tumorpatienten hergestellt werden. Dafür sollen die Apotheken künftig eine teure Fachkraft einstellen sowie schärfere Auflagen erfüllen.

Wenn die Pläne Wirklichkeit würden, „dann sind wir sofort wegradiert“, sagt Parzefall. In Kassel gibt es noch 59 von einst über 70 Apotheken. Das Ministerium wollte sich nicht äußern. Es handele sich um einen internen Entwurf, sagte eine Sprecher, der noch diskutiert werde. Ziel sei, den sicheren Arzneimittelvertrieb zu gewährleisten. (els)

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