Händler mit Verkaufsrekord

Kassels Innenstadt voll wie selten – Fridays for Future und Black Friday

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Der Black Friday lockte viele Menschen in die Kasseler Innenstadt. Die Geschäfte hatten bis 23 Uhr geöffnet.

Black Friday und die Fridays-for-Future-Demo lockten am Freitag tausende Besucher in Kassels Innenstadt. 

Kassel – So voll wie am Freitag war die Kasseler Innenstadt selten: Der Shopping-Aktionstag Black Friday lockte tausende Besucher bis spät in die Nacht in die City. Zugleich demonstrierten am Mittag 5000 Menschen bei dem Protestmarsch der Bewegung Fridays for Future für mehr Klimaschutz.

Das waren zwar nur halb so viele wie beim letzten Klimastreik im September, die Veranstalter zeigten sich trotzdem zufrieden. Insgesamt gingen in Deutschland laut Fridays for Future gestern 630.000 Menschen an mehr als 520 Orten auf die Straße. Vor wenigen Wochen waren es 1,4 Millionen Menschen.

Fridays for Future: Im Mittelpunkt des Protests stand die Weltklimakonferenz in Madrid

Die Demonstranten – darunter längst nicht mehr nur Kinder und junge Leute – kritisierten vor allem die Klimapolitik der Bundesregierung.

Wegen der Rabattschlacht Black Friday war es aber nicht nur auf den Straßen voll, wo es zu einigen Verkehrsbehinderungen kam. Im Elektronikmarkt Saturn im City-Point staute sich die Schlange vor der Kasse zwischenzeitlich quer durch den Laden.

Black Friday: City-Kaufleute mit Verkaufsrekord

Alexander Wild, Vorsitzender der City-Kaufleute, zog bereits am Freitagnachmittag ein positives Zwischenfazit: „Es war überall sehr voll.“ Für die Händler wird der Black Friday wohl noch erfolgreicher gewesen sein als im vorigen Jahr. „2018 war der Black Friday überragend und einer der drei stärksten Tage des Jahres. Dieses Jahr kratzen wir an dem Rekord“, sagte Wild. Bei der „Black Night“ am Freitag schlossen die Geschäfte erst um 23 Uhr.

Am Abend gab es kaum ein Durchkommen: Der Black Friday lockte viele Menschen in die Kasseler Innenstadt. Die Geschäfte hatten bis 23 Uhr geöffnet.

Fachleute streiten indes darüber, ob sich der Black Friday für den Handel wirklich lohnt oder ob die Kunden ihr Geld nur einfach früher ausgeben als sonst. „Es gibt eine gewisse Vorwegnahme“, sagt Wild, „aber man muss sich die Marktanteile sichern, wenn es so weit ist.“

Kasseler Modefirma boykottiert Black Friday - Online-Shop war 24 Stunden geschlossen

Die Kasseler Modefirma Melawear boykottierte den aus dem USA stammenden Rabatttag indes. Das Unternehmen, das auf nachhaltige Produkte setzt, schloss seinen Online-Shop für 24 Stunden, weil am Black Friday „Milliarden Euros für sinnlosen Konsum“ ausgegeben würden.

Black Friday und Fridays for Future: So erlebten die Besucher Demo und Black Friday in kassel

Grüner Protest: Anata (von links) und Tim Uges beim Klimaprotest von Fridays for Future. 

„Konsum ist einer der größten Klimakiller“, sagt Anata Uges (31), während sie ein Plakat mit der Aufschrift „Green is the new black“ hochhält. Sie und Ehemann Tim Uges (32) haben sich mit weiteren Kollegen vom Solarkonzern SMA auf dem Vorplatz des Kulturbahnhofs eingefunden, um an der Freitagsdemo für den Klimawandel von Fridays for Future teilzunehmen. Ihr Arbeitgeber hatte sie dafür freigestellt und sogar ermuntert, beim Protestzug mitzulaufen.

Fridays for Future mit Kritik am Konsum-Fest Black Friday

Dass die Demo dieses Mal ausgerechnet mit dem „Black Friday“, dem in den USA erfundenen Konsum-Feiertag mit Monster-Rabatten, zusammenfällt, sei Ironie des Schicksals. „Wir sind in einer Zeit angekommen, in der man sich schämen muss, hemmungslos zu konsumieren“, sagt Anata. „Ich glaube, wenn mehr aufgeklärt würde, wie produziert wird, dann reagierten Menschen in vielen Fällen nachdenklicher und würden ihren Konsum einschränken“, sagt Tim.

Fridays for Future: "Kassenzettel ist wie ein Wahlzettel"

Den Hebel von heute auf morgen umzulegen, sei nicht möglich, deshalb sei Transparenz so wichtig. Letztlich seien Kassenzettel so etwas wie Wahlzettel und jeder könne mit seinem Kaufverhalten viel verändern. „Wir müssen endlich vom Denken wegkommen: Ich kann ja doch nichts machen“, sagt Anata.

Machten ein Schnäppchen: Bessian und seine Frau Alberine Nishevci aus Kassel im City-Point.

Es ist schwierig, in der Innenstadt jemanden zu finden, der den Klimaprotest von Fridays for Future blöd findet. Selbst das ältere Ehepaar aus dem Schwalm-Eder-Kreis, das wegen der Demonstration eine gefühlte Ewigkeit auf dem Parkplatz am Ständeplatz warten muss, hat Verständnis. „Wir haben ein schlechtes Gewissen, weil wir hier im Auto sitzen und gern mitlaufen würden, aber wir haben noch Dinge in Wilhelmshöhe zu erledigen“, sagt die Frau.

Black Friday: Einige Schnäppchenjäger stehen Konsum ebenfalls  kritisch gegenüber

Bessian und Alberine Nishevci haben da bereits alles geschafft, was sie schaffen wollten. Das junge Ehepaar hat ein Parfum für ihn gekauft – 20 Prozent billiger. Der 26-jährige Bessian findet den Black Friday „überbewertet“. Er denkt nicht wie ein Schnäppchenjäger, sondern wie einer der Klimademonstranten: „Der Kampf gegen den Klimawandel ist wichtig. Man sollte nur das kaufen, was man wirklich braucht.“

Selbst Kritiker von Fridays for Future finden den Protest irgendwie gut

Christian Simon hingegen hält von beiden Veranstaltungen nicht viel, die am Freitag für einen Ausnahmezustand sorgten. In den Geschäften sind ihm „zu viele Menschen“. Er wollte mit seiner Frau in Ruhe nach Weihnachtsgeschenken Ausschau halten. Dafür ist der Black Friday nicht erfunden worden.

Spricht man ihn auf Fridays for Future an, sagt er: „Hör mir auf mit denen.“ Der 30-Jährige versteht das Anliegen der Demonstranten, aber er findet, es sei jetzt alles zu spät: „Was wir in 2000 Jahren verkackt haben, kriegen wir nicht mehr aufgebaut.“ Trotzdem: Selbst die Kritiker von Fridays for Future finden den Protest irgendwie gut.

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