Führung über das Martini-Gelände

Blauer Sonntag in Kassel: Wohnen rund ums Sudhaus

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Blauer Himmel am Blauen Sonntag der Industriekultur: Der Architekt Michael Linker bot gestern eine Führung über das ehemalige Gelände der Martini-Brauerei an.

Von Salzmann über das ehemalige Henschelgelände bis zum Messinghof hat Kassel einiges an interessanten historischen Standorten zu bieten.

Das wurde am Wochenende bei den Veranstaltungen zum Blauen Sonntag der Industriekultur deutlich.

Es gibt im Moment kaum ein Gelände, bei dem die Entwicklung und Umnutzung so deutlich sichtbar vorangeht, wie am ehemaligen Martini-Standort an der Kölnischen Straße. Kein Wunder, dass die Führung mit dem Architekten Michael Linker auf reges Interesse stieß.

Auf 15.000 Quadratmetern entsteht hier in begehrter Lage des Vorderen Westens ein neues Wohnquartier. Mittendrin: Das ehemalige Sudhaus der Brauerei, das unter Denkmalschutz steht. Und nicht nur das. Auch einige unterirdische Lagerflächen bleiben erhalten. Ursprünglich waren die durch den Kalkabbau im 17. und 18. Jahrhundert entstanden. Der Brauer Adolf Kropf, der aus Bayern nach Nordhessen gekommen war, erkannte früh die Nutzungsmöglichkeiten. Er hatte zunächst mitten in der Kasseler Altstadt Bier gebraut und eine große Gaststätte bewirtschaftet.

Hier wurde Bier gebraut: Die Werbung an der Hausfassade erinnert noch daran.

Namensgebend für die Martinibrauerei war die benachbarte Martinskirche. Mit dem Umzug an die Kölnische Straße ließ Kropf aus den unterirdischen Aushöhlungen im Kalk Lagerstätten für Bier bauen. Bis zu 20 Meter unter der Erde konnte man die Fässer mit Eis lange Zeit kühl halten.

Heute entsteht über diesen Kellern ein neues städtisches Quartier. Einige der zukünftigen Bewohner sowie Nachbarn, Studenten und sonstige Interessierte schauten sich bei der Führung auf dem spannenden Gelände um. Das gehörte zuletzt der Einbecker Brauerei, die mit dem Verkauf eine Vielzahl von Nutzungsvarianten ermöglicht. „Im Frühjahr 2020 sollten die ersten Bewohner einziehen können“, sagt Stadtarchitekt Michael Linker, der mit seinen Kollegen von der Projektentwicklungsgesellschaft bereits seit 2013 an dem Großprojekt arbeitet. 50 bis 60 Millionen Euro werden auf dem Areal investiert.

Bewusst sei das Gelände nicht an einen Großinvestor verkauft worden, erläuterte Linker bei der Führung. Mit unterschiedlichen Bauherren sollen jetzt sowohl Eigentums- als auch Mietwohnungen entstehen. Ein wichtiges Ziel sei es, ein sozial gemischtes und vielfältiges Areal zu entwickeln. Wie lange das noch dauert? Bis zum Jahr 2022 soll das Quartier mit 180 Wohnungen, Läden und Büros fertig sein. Die ersten größeren Etappen sind bereits geschafft.

Lesen Sie dazu: Blauer Sonntag bietet Einblicke in Fabrikhallen und Museen

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