Für die Rettung der Buntstift GmbH wird ein Drittel der Mitarbeiter entlassen

37 bleiben, 23 gehen

Die neuen Männer bei Buntstift: Dirk Bachmann (von links) vertritt die Outlaw-Gruppe in Kassel, Enno Roy ist Geschäftsführer des Buntstift-Nachfolgers Outlaw Kassel. Für den gesamten Sozialkonzern mit Sitz in Greven ist Theodor Boomgaarden verantwortlich. Foto: Janz

Kassel. Es geht weiter bei Buntstift – wenn auch unter neuem Namen. Als gemeinnützige Outlaw Kassel GmbH setzt der soziale Ausbildungsbetrieb seine Arbeit fort, der jungen Menschen mit Lernschwierigkeiten Schul- und Berufsausbildung bietet. Aber ein gutes Drittel der Mitarbeiter bleibt auf der Strecke.

Diese Nachricht erhielten die Mitarbeiter gestern bei einer Betriebsversammlung, bei der sich die neuen Inhaber von der Outlaw GmbH vorstellten. 37 Mitarbeiter behalten ihre Stelle, 23 werden gekündigt. Zu Beginn der Insolvenz Ende November hatten noch 77 Menschen für Buntstift gearbeitet, darunter aber auch Mitarbeiter, die von der ebenfalls insolventen Mutter, dem Arbeitskreis Gemeindenahe Gesundheitsversorgung (AKGG), ausgeliehen wurden.

Die neuen Inhaber haben in den vergangenen zweieinhalb Monaten den Betrieb kennengelernt und sind überzeugt, dass „Buntstift zu uns passt“, sagt Outlaw-Geschäftsführer Theodor Boomgaarden. Die Höhe des Kaufpreises nannte er nicht.

Einigung unter Hochdruck

Boomgaarden ist froh, dass der Februar 29 Tage hatte. Sonst wären die Verhandlungen nicht rechtzeitig abgeschlossen worden. Dann hätten womöglich alle Mitarbeiter auf der Straße gestanden. Die Gehälter hätten im März nicht mehr gezahlt werden können, bestätigt der Sprecher der Insolvenzverwaltung, Sebastian Glaser.

Mit der Kündigung für 23 Mitarbeiter geht eine Umstrukturierung des Ausbildungsbetriebs einher. Der Standort am Franzgraben wird aufgegeben. Die Betriebsteile Gastro, Recycling und Holz werden eingestellt. Derzeit machen dort noch vier junge Menschen eine Ausbildung. Für sie werde eine Lösung gesucht, damit sie ihre Lehre beenden können, sagt der neue Geschäftsführer Enno Roy. Der 39-Jährige ist seit 2010 Betriebsleiter bei Buntstift. Er kam von AKGG. „Uns war wichtig, nicht jemanden von außen einzufliegen“, sagte Boomgaarden.

Er attestiert der bisherigen Buntstift eine gute Arbeit – aber ein „unperfektes Management“. Das bestätigt Insolvenzverwalter Franz-Ludwig Danko: „Das explosive Wachstum war aus dem laufenden Geschäft nicht finanzierbar und eine wesentliche Ursache für die zweite Insolvenz seit 2007.“ Innerhalb weniger Jahre habe sich der Umsatz auf vier Millionen Euro verdoppelt. Die Mitarbeiterzahl ist von 23 auf 77 Mitarbeiter gestiegen. Buntstift konnte schon seit Jahren nur durch die Hilfe vom AKGG überleben, sagte Danko.

Von Marcus Janz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.