„Ärzte ohne Grenzen“ informieren mit einer Freiluftausstellung

Erfolgreicher Kampf gegen die Cholera: Florian Blaser schildert die Versorgung Tausender Patienten bei seinem Einsatz in Haiti. Stefanie Seib (links) und Renate Titis hören interessiert zu. Foto: Koch

Kassel. Die Teams von „Ärzte ohne Grenzen“ sind es gewohnt, mit widrigen Bedingungen umzugehen. In Krisengebieten arbeiten sie oft bei sengender Hitze und Dürre, Erdbeben und Überschwemmungen.

Dass ihre Freiluftausstellung auf dem Königsplatz derzeit im strömenden Regen stattfindet, schreckt die Mitarbeiter der medizinischen Hilfsorganisation deshalb nicht. Sie hoffen nur auf viele Besucher.

Die haben sie auch verdient, denn die Einblicke in ein aufblasbares Operationszelt oder eine Ernährungsstation für mangelernährte Kinder machen die Einsätze der Organisation anschaulich. Lehrerin Sandra Höhmann, die mit einer 4. Klasse der Ernst-Leinius-Schule den lebhaften Berichten einer Mitarbeiterin lauscht, ist jedenfalls begeistert: „Die Ausstellung ist toll gemacht und öffnet den Blick für die Situation in Krisengebieten“, sagt sie. Florian Blaser zum Beispiel berichtet von seinen Einsätzen in Haiti und Zentralafrika. „Es ist faszinierend, dass man mit wenig so viel für Menschen in Not machen kann“, sagt der 39-jährige Krankenpfleger aus dem Allgäu.

Neben den Trümmern

20 Monate war er nach dem schweren Erdbeben im Jahr 2010 in Haiti im Einsatz. Zuerst versorgte er in der neben den Trümmern aufgebauten orthopädischen Klinik die vielen schwer verletzten Patienten. Als einige Monate später die Cholera-Epidemie ausbrach, wurde das Krankenhaus, das aus 17 Zelten bestand, schnell umgewidmet. 16 000 Cholera-Patienten seien dort behandelt worden. „79 sind gestorben. Wären wir nicht da gewesen, wären es 10 000 gewesen“, sagt Blaser, der eindringlich schildert, wie die engagierten Teams aus aller Welt den Kampf gegen die Infektionskrankheit und den dramatischen Flüssigkeitsverlust gewonnen haben.

Rund 2600 Mitglieder habe die internationale Organisation Ärzte ohne Grenzen, in den Krisenländern würden noch einmal 2700 rekrutiert und ausgebildet. „Ich reise irgendwann wieder ab, aber mein Wissen lasse ich da“, nennt Blaser einen wichtigen Aspekt der Arbeit.

Viele hier bislang unbekannte Krankheiten hat der Krankenpfleger bei seinen Einsätzen schon gesehen. Darüber zu informieren, dass die Forschung und Pharmahersteller sich darum viel zu wenig kümmern, sei ein weiteres Anliegen der Ärzte ohne Grenzen. Denn die Tuberkulose zum Beispiel komme auch in die westlichen Industrieländer zurück. Viele Erreger aber seien unempfindlich gegen die überalterten Medikamente.

Renate Titis ist nach der Führung durch die Ausstellung sicher: Sie möchte sich als Helferin melden.

Die Ausstellung ist noch bis zum 31. Mai jeweils von 10 bis 20 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. HINTERGRUND

Von Martina Heise-Thonicke

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