Blick zurück auf Geschichte der Stromversorgung

Wartungsarbeiten an einem der ersten Gleichstrom-Umformer um 1900: Sie wurden benötigt, um in den Generatoren der ersten E-Werke aus Wasserkraft bzw. Dampfkraft erzeugten Wechselstrom in den in der Innenstadt verwendeten Gleichstrom umzuwandeln.

Kassel. Als 1891 das erste Elektrizitätswerk in Kassel in der „Neuen Mühle“ entstand, da war von einem Elektrotechnischen Verein noch keine Rede.

Und doch war die Anlage nach den Plänen von Oskar von Miller ein Meilenstein in der Elektrifizierung Kassels. Ebenso die ein Jahr später folgende elektrische Beleuchtung der Martinskirche und die seit 1899 durch Kassel rollende „Elektrische“, die die Dampfstraßenbahn ersetzte.

90 Jahre Elektrotechnik-Verband in Kassel

Zweifellos stieg mit dem technischen Fortschritt zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Zahl der Elektrotechniker in und um Kassel - vor allem, als ab 1918 nach dem Bau der Edertalsperre mit dem Kraftwerk auch die nordhessischen Landkreise versorgt wurden. Einen eigenen Verein sollte es aber erst ab dem 26. Oktober 1922 geben. Unter dem Namen „Elektrotechnischer Verein zu Kassel“ wurde er im „Hackerbräu“ am Königsplatz gegründet - der Vorläufer des VDE-Bezirksvereins Kassel (Verband der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik), der am heutigen Freitag seinen 90. Geburtstag feiert.

Heute 600 Mitglieder

Annähernd 600 Mitglieder zählt der Verein heute in der Region: Elektroingenieure, Meister, Studenten sind darunter, aber auch Firmen wie SMA und Iwes, sagt Wolfgang Dünkel, der für die Öffentlichkeitsarbeit des VDE zuständig ist.

Unterlagen aus der Anfangszeit existieren nicht mehr. Sie sind beim Bombenangriff auf Kassel in der Nacht zum 23. Oktober 1943 verloren gegangen. Der Neuanfang folgte 1949 mit Gründung der „Elektrotechnischen Gesellschaft Nordhessen“, aus der 1952 der „Verband Deutscher Elektrotechniker, Bezirksverein Kassel“ hervorging.

Wandel nach Kriegsende

Nach Kriegsende wandelte sich die industrielle Landschaft von der Fahrzeug-, Flugzeug- und Tuchfabrikation in der Region: „Die elektro- und informationstechnische Industrie baute ihre Fertigungsstätten auf“, berichtet Dünkel und nennt beispielhaft AEG und Withof in Kassel sowie Zuse in Bad Hersfeld. Seit 1981 verkörpere SMA den Übergang zu einer neuen Energietechnik.

Schon im Verlauf der 50er-Jahre war die Mitgliederzahl des VDE rasant gestiegen: Ein knappes Drittel machten fast 100 Studenten der 1955 in Kassel gegründeten Ingenieurschule aus. Auch heute gibt es mit 120 Mitgliedern viele Studenten im VDE.

„Nachwuchsförderung ist unser Hauptanliegen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende, Joachim Bürgel (71). Genau wie Wolfgang Dünkel hatte er seine Ausbildung 1959 in der Kasseler AEG-Niederlassung an der Söhrestraße zum Elektromaschinenbauer gemacht. Beide absolvierten im Anschluss ein Ingenieurstudium, um später in leitenden Positionen bei der AEG zu bleiben.

Damals habe es noch kein Studium im Praxisverbund gegeben, sagt Diplom-Ingenieur Bürgel: „Aber das ist der Königsweg.“ Künftig brauche es Ingenieure aller Fachrichtungen, ergänzt Dünkel, denn: „Unsere Gesellschaft steht vor einem epochalen Umbruch in Energieversorgung und Mobilität.“

Von Anja Berens

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