Glosse zum Speedmarathon

Kommt mal runter: Der Blitzermarathon ist ein Tag wie jeder andere

+
Und es hat Zoom gemacht: Geblitztes Auto.

An diesem Mittwoch geht für viele Autofahrer die Welt unter - weil ein paar Radaranlagen mehr in Betrieb sind als sonst. Uneinsichtige Raser verhalten sich wie ein Fußballer des FC Bayern.

Vor einigen Jahren hätte die Kasseler Polizei wegen eines Autofahrers fast im Swingerclub ermitteln müssen. Der Raser war geblitzt worden und beteuerte, sich zur Tatzeit mit mehreren Sex-Gespielinnen in einem einschlägigen Etablissement vergnügt zu haben. Zahlreiche Gäste des Swingerclubs könnten das bestätigen. Die Beamten ermittelten dann aber doch nicht im Swingerclub, weil die Identität des schnell kommenden Herrn durch das Blitzerfoto einwandfrei festgestellt wurde.

Auch in den nächsten Wochen werden sich zahlreiche Autofahrer versuchen rauszureden, wenn sie an diesem Mittwoch beim Blitzermarathon in Hessen und sieben weiteren Bundesländern auf frischer Tat ertappt wurden. Die Polizei nennt den jährlichen Tag mit Schwerpunktkontrollen mittlerweile "Speedmarathon", was vermutlich nach Action wie im Kino-Hit "Fast and Furious" klingen soll, sprachlich aber auch nicht besser ist als ein "Coffee to go".

Bei Autofahrern ist der Tag ungefähr so beliebt wie die autofreien Wochenenden während der Ölkrise in den 70er-Jahren. Seit Wochen reden sie aufgeregt vom Blitzermarathon, der ihnen das Leben ebenso schwer mache wie die zahlreichen Baustellen in der documenta-Stadt Kassel. Es fallen Begriffe wie "Abzocke" und "gemolkene Autofahrer". Dabei gelten an diesem Tag dieselben Regeln wie sonst auch. Es wird halt nur öfter kontrolliert, ob man sich auch daran hält.

Autofahrer, für die der Speedmarathon einem Weltuntergang gleichkommt, verhalten sich so wie Bayern Münchens Fußball spielender (und derzeit verletzter) Krieger Arturo Vidal, der seinen Gegenspieler in die Knochen grätscht und sich nach der gelben Karte als Unschuldslamm gibt. Zu schnell fahren, ob in der Tempo-30-Zone in der Nähe des Kindergartens oder auf der Autobahn, gilt im Land von Michael Schumacher und Sebastian Vettel immer noch als Kavaliersdelikt. Dabei haben auch die Radaranlagen seit ihrer Einführung 1957 dafür gesorgt, dass die Zahl der jährlichen Verkehrstoten von 13.000 auf 3500 zurückgegangen ist.

Rasen ist echt blöd, noch blöder ist nur, nachher so zu tun, als sei nichts gewesen. Ich bin übrigens vor einiger Zeit auf dem Mountainbike mit 50 in der 30-Zone geblitzt worden. Das war sehr unvernünftig. Weil am Rad kein Nummernschild ist, bekam ich keine Post nach Hause. Darum rief ich in der Gemeinde an, die die Radarfalle aufgestellt hatte, um die gerechte Strafe zu bezahlen und das Blitzerfoto zu bekommen. Leider werden die Aufnahmen von Radlern sofort gelöscht, sagte ein Beamter. Und mein Geld wollte auch niemand haben. Vielleicht werde ich es dem ADAC spenden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.