Messprotokolle werden per Hand eingegeben

Blitzer-Pannen: Zahlendreher mit schweren Folgen

Kassel/Lohfelden. Wolfgang Kraft aus dem Kasseler Stadtteil Wolfsanger ist noch immer sauer. Und zwar aus zwei Gründen: Den Rentner, der auf der Fuldatalstraße angeblich 41 km/h zu schnell gefahren ist, ärgert, dass sich die Bußgeldstelle des Regierungspräsidiums (RP) bei ihm bis heute für die gravierende Panne nicht entschuldigt hat.

Und er denkt mit Grausen an die Konsequenzen, die auf ihn zugekommen wären, hätte er den Fehler in dem Bußgeldbescheid (dort ist Tempo 50, nicht Tempo 30 erlaubt) nicht bemerkt. Dann hätte der 61-Jährige nämlich seinen Führerschein abgeben müssen. RP-Sprecher Michael Conrad kann die Aufregung nicht ganz verstehen. Die betroffenen Autofahrer würden schließlich nicht zu Unrecht beschuldigt, sondern bekämen einen Anhörungsbogen, auf dem sie sich zu den Vorwürfen äußern könnten. In diesem Zusammenhang würden Fehler seiner Behörde aufgeklärt, sagt Conrad.

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Er unterstreicht, dass die Behörde im Fall der 72 Autofahrer, die auf der Bundesstraße 7 bei Kaufungen-Papierfabrik geblitzt wurden, den Fehler selbst bemerkt und anschließend korrigiert habe. Autofahrer Kraft musste allerdings die Behörde auf ihren Fehler hinweisen. Dazu Conrad: „Wenn es sich nur um wenige Fälle handelt, fallen diese nicht so leicht auf.“ Während Kraft tatsächlich 21 km/h zu schnell fuhr und dafür einen Punkt in Flensburg kassierte, kommt ein Raser, der im Mai auf der Autobahn 7 mit 134 km/h durch eine Baustelle mit Tempolimit 80 fuhr, wegen einer Panne der Kasseler Polizei ungeschoren davon. Der Grund: ein ZahIendreher in dem Messprotokoll. Statt korrekt Autobahnkilometer 310 einzutragen, wurde dem Autofahrer vorgeworfen, bei Kilometer 130 zu schnell gefahren zu sein. Das Amtsgericht kippte daraufhin den Bußgeldbescheid. „So ein Fehler kann, darf aber nicht passieren“, sagte Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch auf HNA-Anfrage.

Laut RP-Sprecher Conrad müssen die meisten Messprotokolle noch per Hand von Mitarbeitern der Bußgeldstelle eingegeben werden

Von Ulrike Pflüger-Scherb und Peter Ketteritzsch

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