Gepanzerte Anhänger knipsen in Serie

Neuartige Blitzer sorgen für Arbeit und Ärger - weitere sollen folgen

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Neuartige gepanzerte Blitzer: Sie überwachen immer häufiger hessische Straßen. Doch die entstehende Knöllchenflut führt zu Ärger - auf Seiten der Behörden und der Autofahrer. 

Es blitzt und blitzt in Hessen - und die Behörden kommen mit dem Abarbeiten der Knöllchen nicht mehr nach. Insbesondere neuartige mobile Blitzer sorgen für Ärger - und weitere Anlagen sind geplant. 

Aktualisiert am 13.11., 16 Uhr. Der Einsatz gepanzerter Geschwindigkeitsmessanlagen sorgt in diesen Tagen für massive Mehrbelastung und Stöhnen in der Justiz. Und auch die Autofahrer haben nur begrenzte Freude. Ein auf A7 und A4 an wechselnden Standorten aufgestellter Blitzer-Anhänger binde beispielsweise enorme Arbeitskraft, sagte der Fuldaer Landgerichtspräsident Jochen Müller. Deshalb sehe er sich gezwungen, einen "Notruf der Justiz" abzusetzen, die sonst die Masse an Verfahren nicht in den Griff bekomme.

Und auf die Justiz dürften künftig noch mehr Verfahren zukommen. Neben den beiden bisherigen mobilen Trailern sollen in Hessen noch weitere Anlagen dieser Art angeschafft werden, wie die Zentrale Bußgeldstelle jetzt mitteilte. So plant die Polizei nach Behörden-Angaben, fünf weitere Geschwindigkeitsmessanlagen für Hessen anzuschaffen. Und auch bei den stationären Anlagen wird sich etwas tun: So plant die Stadt Kassel allein für 2019 mit zwei neuen Radar-Anlagen

Die sogenannten Enforcement Trailer (zu deutsch etwa: Vollstreckungs-Anhänger) werden unter anderem auch schon im südlichen Niedersachsen eingesetzt. Sie ähneln am Straßenrand abgestellten Anhängern. Die Hochleistungsblitzer können ohne Personal betrieben und an vielfältigen Standorten aufgestellt werden. Sie liefern sprichwörtlich am laufenden Band Fotos von Rasern. Nach Angaben der Zentralen Bußgeldstelle in Kassel sind die beiden hessischen Trailer sogar mit die effektivsten Blitzer im Land. Ein zweiter dieser Blitzer-Anhänger steht übrigens im Rhein-Main-Gebiet.

Übrigens: Immer wieder kommt es zu Zerstörungen oder Diebstählen mobiler Geschwindigkeitsmesser. Auch einen der modernen Blitzer erwischte es bereits, und zwar in in Hellendorf, Niedersachsen. Ein Brummi machte den "Panzer-Blitzer" platt - was den Fahrer teuer zu stehen kommt.

Immer mehr Knöllchen wegen Blitzer-Anhängern

Eine Anlage liefert pro Woche etwa 7500 Bilder von Tempoverstößen. Die Bußgeldstelle hat sich für die Folgen gewappnet. 15 Mitarbeiter seien damit befasst, die anfallenden Knöllchen zu verarbeiten, sagte ein Sprecher auf Anfrage. 

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Wenn geblitzte Autofahrer Einspruch einheben, etwa bei drohendem Führerschein-Verlust, landet die Sache vor Gericht. Die Verfahren in Osthessen gehen dann zum Amtsgericht Bad Hersfeld, in dessen Bereich der Trailer eingesetzt wird. "Die Richter dort haben nach Verstärkung gerufen", erklärte der übergeordnete Landgerichtspräsident Müller. Es bedürfe einer zusätzlichen Stelle, um der Verfahrensflut Herr zu werden. Müller befand: "Wenn man mehr blitzt, muss man das mit mehr Stellen unterlegen, damit es auch verarbeitet werden kann." Wenn die Verfahren verjährten, mache es auch keinen Sinn, gab er zu bedenken. Und wie es aussieht, könnten die neuartigen Blitzer auch andernorts zu einem neuartigen Problem werden. (mit dpa) 

Massiver Ärger über Blitzer-Anhänger

Auch der Kreis Göttingen geht seit einiger Zeit mit den neuartigen Blitzer-Anhängern gegen Temposünder vor. In Gieboldehausen war der Ärger eines Autofahrers vor zwei Jahren sogar derart groß, dass er die Anlage aufbrach und anzündete. Immerhin: Manche Landkreise und Gemeinden kündigen im Vorfeld an, wo sie im Laufe der darauffolgenden Woche kontrollieren wollen. Eine aktuelle Übersicht für Nordhessen und Südniedersachsen finden Sie dazu auf dieser Blitzer-Seite.

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