Blitzurlaub auf japanische Art 

Japaner erkunden in zwei Stunden Kassel - HNA-Redakteur wird Fotomotiv

Beliebtes Fotomotiv: Ohne den blonden Mann von der Zeitung wollten sich die vier japanischen Freundinnen (von links) Izumitani Sumiko, Fukuhara Misako, Nakamoto Noriko und Yamaguchi Kimiko nicht vor dem Bergpark ablichten lassen. Foto: Ludwig, Hiro (nh)

Kassel. Es ist Sonntag, 10.07 Uhr und Kahori Chiba-Stegemann wird unruhig. Die Touristenführerin von Kassel Marketing wartet vor dem Naturkundemuseum auf einen Reisebus mit Japanern. Er hätte vor sieben Minuten ankommen sollen. Jede Minute fehlt ihr für die eigentlich zweistündige Tour durch die Stadt.

• 10.10 Uhr: Der Bus kommt an. Es steigen 15 Japaner aus dem 9000 Kilometer Luftlinie entfernten Hiroshima aus. Sie sind erst am Morgen um 6 Uhr in Frankfurt gelandet und haben 14 Flugstunden in den Knochen. Vom Flughafen ging es direkt nach Kassel. „Ein harter Trip, wir können nicht viel schlafen“, sagt Reiseleiter Hiro. Frankfurt habe man sich nicht angeschaut. Schließlich wolle man in sieben Tagen ganz Deutschland erleben.

• 10.20 Uhr: Die Stadtführung kann starten. Dann aber meldet sich der Busfahrer. Er muss eine halbe Stunde Pause einlegen, um seine Fahrzeit nicht zu überschreiten. So hat Chiba-Stegemann am Ottoneum mehr Zeit für ihren Exkurs in Kassels Geschichte. Damit ihre Zuhörer besser verstehen, wie alt etwas ist, zieht sie Parallelen zur japanischen Geschichte: Das Ottoneum wurde erbaut, als in Japan der große Samurai-Krieg (Schlacht der Sekigahara) tobte.

• 10.25 Uhr: In den Blicken der Japaner ist Ernüchterung zu sehen, als die Stadtführerin auf das schmucklose Regierungspräsidium weist und erzählt, dass dort einst ein Königshof stand, um den sich Chassalla zu einer bedeutenden Stadt entwickelte. Deutsche Altstadtromantik entfaltet sich hier heute nicht mehr.

• 10.30 Uhr: Auf dem Friedrichsplatz entdecken die Weitgereisten mit dem Fridericianum doch noch ein lohnenswertes Fotomotiv. Während Chiba-Stegemann in die Zeit von Landgraf Karl und der Hugenotten entführt, rauschen die Autos auf der sechsspurigen Frankfurter Straße vorbei. Ein kurzer Hinweis auf documenta-Halle und Staatstheater, schon geht’s zum Bus.

• 10.40 Uhr: Abfahrt in Richtung Auepark. Nur durch die Fenster des Busses können die Gäste einen kurzen Blick auf die Orangerie erhaschen. Auf dem Auedamm drehen wir eine Runde um den Park. Es ist bestes Spazierwetter, aber für einen Stopp ist keine Zeit.

• 10.50 Uhr: Als der Bus an der Eishalle vorbeifährt, stechen mit „Huskies“ und „Ice Skate“ Worte aus Chiba-Stegemanns japanischen Erläuterungen heraus, die wohl jeder versteht.

• 11 Uhr: Bei der Fahrt zum Bergpark zieht das seltsam hohe Dach des IC-Bahnhofs die Blicke der Auswärtigen auf sich.

• 11.05 Uhr: Ankunft am Gewächshaus im Bergpark. Wir drehen eine Runde - diesmal zu Fuß - bis zum Schloss Wilhelmshöhe. Der blonde Autor dieser Zeilen muss als Bildmotiv herhalten. Die Japaner versuchen seinen Vornamen auszusprechen: „Baasiian“ (Bastian). Es gibt Verwunderung darüber, dass jemand so heißt.

• 11.45 Uhr: Zurück am Bus, der durch den Park bis zur Löwenburg fährt. Ein paar Fotos durch die Scheibe, das war’s. Auf dem Weg zurück zum Naturkundemuseum erzählt Chiba-Stegemann von den Brüdern Grimm. Viele hören zum ersten Mal, dass diese etwas mit Kassel zu tun hatten.

• 12.05 Uhr: Langer Applaus bei Ankunft am Naturkundemuseum. Nach einem Mittagessen in einem der Bootshäuser an der Fulda geht’s für die Japaner am selben Tag weiter nach Hildesheim und Hannover. Bremen, Hamburg und Berlin stehen für die nächsten Tage auf dem Programm.

Von Bastian Ludwig

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