Anekdoten aus Kasseler Kreiswehrersatzamt

Versuche, bei der Musterung durchzufallen

Kassel. Für einige junge Männer war es keine schöne Vorstellung, bei der Bundeswehr den Wehrdienst ableisten zu müssen. Um bei der Musterung als untauglich für den Wehrdienst deklariert zu werden, haben sich einige ganz besondere Aktionen einfallen lassen.

Medizinaldirektorin Dr. Ute Kreb und ihr Kollege Dr. Martin Bornscheuer berichten von Erlebnissen im Kreiswehrersatzamt Kassel, die sie nicht vergessen können. Ihre sorgfältigen und fachärztlichen Überprüfungen entlarvten so manchen Simulanten.

Asthmabeschwerden: Immer wieder haben junge Menschen erklärt, dass sie unter Asthma leiden. Nur leider konnten einige Musterungskandidaten dann nicht einmal das Medikament benennen oder hatten zugleich angegeben, seit zehn Jahren Fußball zu spielen.

Kniebeschwerden: Immer wieder klagten Kandidaten über Kniebeschwerden. Einer kam sogar mit Krücken zum Medizincheck. Doch als er anstatt der Bescheinigung untauglich zu sein, nur einen neuen Musterungstermin bekam, vergaß er vor lauter Frust die Krücken im Wartezimmer. Er lief ohne sie nach Hause.

Kreislaufkollaps: Ein Kandidat simulierte einen Kreislaufkollaps und fiel einer Mitarbeiterin die Arme. Als diese ihn jedoch in stabiler Seitenlage auf den Boden legen wollte, hatte der Kandidat dann Sorgen um seine neue Lederjacke und kam schnell wieder zu sich.

Einen Spezialfall geben die Aufzeichnungen anderer Kreiswehrersatzämtern wieder:

„Frau Wehrpflichtiger“: Immer wieder kam es vor, dass Ärzte zum Beispiel dem Patienten Peter Müller zur Identität von Petra Müller verholfen hatten, die Meldebehörden aber dem Kreiswehrersatzamt weiterhin eine männliche Person meldeten. Dieser wurde zur Musterung geladen. Im Wartezimmer erschien dann Frau Petra Müller mit High-Heels, kurzem Rock und hübscher Handtasche zur Musterung. Der Arzt hat dann ihre Untauglichkeit als männlicherWehrpflichtiger attestiert.

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Die Aufgaben für die Beschäftigten des Kasseler Kreiswehrersatzamtes der Bundeswehr hatten sich schon Mitte 2011 geändert. Geblieben war nur die Bezeichnung der Einrichtung. Nun trägt sie auch einen anderen Namen: Das Kreiswehrersatzamt auf der Marbachshöhe heißt zukünftig Karrierecenter. „Die Bundeswehr unterhält in 16 Städten Karrierecenter“, sagte Ministerialdirigent Lothar Maikranz bei der Eröffnung. Eines davon werde sich künftig in Kassel befinden. Nach der Abschaffung der Wehrpflicht sei eine Neuausrichtung der Bundeswehr notwendig gewesen. „In den Karrierecentern fassen wir die Personalgewinnung für die zivile und militärische Laufbahn bei der Bundeswehr zusammen“, sagte Lothar Maikranz. Ein weiterer Schwerpunkt des Karrierecenters soll der Berufsförderungsdienst sein.

„Hier helfen wir Soldaten, die die Bundeswehr verlassen, einen neuen Beruf zu finden“, sagte Regierungsdirektor und Leiter des Karrierecenters Werner Arndt. Hierbei arbeite man mit der Agentur für Arbeit zusammen. Das neue Karrierecenter hat 60 Beschäftigte. Die Verringerung um 17 Beschäftigte im Vergleich zum Kreiswehrersatzamt sei problemlos erfolgt. „Die Kollegen konnten in der Region weiterbeschäftigt werden“, sagte Werner Arndt. In der Region soll auch weiter Werbung für die Bundeswehr gemacht werden. „Es wird auch künftig Berufsberatung der Bundeswehr an Schulen geben“, sagte Ministerialdirigent Maikranz. Das sei auch schon vor dem Hintergrund notwendig, dass jedes Jahr 13.000 neue Berufs- und Zeitsoldaten benötigt werden. Hinzu kämen 12.000 für den Freiwilligen Wehrdienst. „Um eine Auswahl zu haben, benötigen wir zusammen jährlich 60.000 Interessenten“, sagte Maikranz. (flq)

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