Rund 400 Fahrzeuge rollen täglich durch die Anlage

Blütenstaub auf Autos: Viel Andrang in Kasseler Waschanlagen

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Schrubbt per Hand: Zwei Wochen nach der letzten Wäsche war Vitali Fiebichers Auto von einer gelben Blütenstaubschicht überzogen. Gestern legte der Kirchditmolder bei Mr. Clean in Niederzwehren selbst Hand an. 

Kassel. Schattig, nass und laut: Der Arbeitsplatz von Michael Eisel ist nicht beneidenswert. Seit über 20 Jahren arbeitet er im wahrsten Wortsinne mit Hochdruck, und in diesen Blütenstaub getränkten Tagen umso mehr.

Im Akkord spritzen Eisel und sein Kollege Anton Ignatow die gelbe Brühe von den Fahrzeugen der Kunden, die in der Waschanlage Mr. Clean in Niederzwehren Schlange stehen.

Rund 400 Fahrzeuge rollen täglich durch die Anlage, freitags sei der Ansturm besonders groß, sagt Eisel. Genauer gesagt, er brüllt es. Denn zwischen dem Lärm des Hochdruckreinigers und dem Dröhnen der Waschanlage ist ein Gespräch nur mühsam möglich.

„Das wirkt immer so unfreundlich, wenn man seine Kunden anschreit“, ruft Eisel und winkt das nächste Fahrzeug herbei. Die jedoch sind zugfrieden, wenn der Wagen nach der Wäsche wieder blitzblank aus der Anlage fährt. Eisel nimmt den Ansturm gelassen. „Es ist Frühling“, hört man ihn noch rufen, dann spritzt er wieder los.

Die Autos stehen Schlange: Auch beim Imo Car Wash in der Unterneustadt war gestern jede Menge los.

Nachpoliert

Blitzblank ist auch das Auto von Erich und Brigitte Kleine geworden. Draußen, wo ihr Golf nun mit der Sonne um die Wette strahlt, legen sie noch selbst Hand an, schütteln die Fußmatten aus und polieren die Motorhaube. „Wir dachten, werktags gegen 10.30 Uhr sei an der Waschanlage nicht allzuviel Betrieb“, erzählt Brigitte Kleine. Ein Irrtum: In diesen Tagen brummt es an der Waschanlage von 7 bis 20 Uhr. „Acht Autos waren noch vor uns“, erzählt die Nordshäuserin.

Weniger Geduld brauchte Vitali Fiebicher. Der VW-Mitarbeiter nutzte seinen Urlaubstag für die Autowäsche. Und zwar von Hand in einer der Waschboxen, die am Dienstagvormittag zwar gut gefüllt, vor denen die Schlangen aber noch überschaubar waren. Nach zwei Wochen ohne Garagenplatz war der schwarze Lack seines Mercedes unter dem gelben Blütenstaub nur noch schwach zu erkennen. Jetzt verschwindet der Staub unter dem Druck des Wasserstrahls.

Jetzt strahlen alle: Der Golf von Brigitte und Erich Kleine ist wieder blitzblank.

Wechselschuhe parat

Lange Schlagen und Blütenstaubpfützen nach der Wäsche: Dasselbe Bild bot sich gestern auch bei Imo Car Wash in der Unterneustadt. Mittendrin Betreiber Selamettin Filiz, seit 15 Jahren an Ort und Stelle. Im Kabuff hinter der Waschstraße stehen stets ein Paar Schuhe zum Trocken. Der Hochdruckreiniger dröhnt, Filiz zuckt die Schultern: „Im Winter ist’s das Streusalz, im Sommer die Mücken – jetzt eben Blütenstaub.“

Am Himmelfahrtstag wird sich das Problem des gelben Blütenstaubs, für den in diesem Jahr die Fichten verantwortlich sind, übrigens meteorologisch lösen: „Schon am Vormittag sind Schauer und Gewitter möglich“, sagt Lars Kirchhübel vom Deutschen Wetterdienst mit Blick auf Kassel. Die Schönwetterperiode neige sich mit dem heutigen Mittwoch dem Ende zu. Die Waschanlagen in Stadt und Kreis haben dann vermutlich eine Verschnaufpause. Bis die Mücken kommen.

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