Im Alten Botanischen Garten wächst eine südamerikanische Riesen-Seerose

Blütenwunder der Nacht

Göttingen. Ein ausgewachsenes Blatt hat einen Durchmesser von bis zu zwei Metern und trägt bis zu 100 Kilogramm. Die südamerikanische Seerose Victoria cruziana erreicht auch fern der tropischen Heimat im Victoria-Haus des Alten Botanischen Gartens der Universität Göttingen riesige Ausmaße.

Ende August öffnen sich die Blüten der Riese-Seerose – allerdings nur in den Abend- und Nachtstunden. Damit Besucher die Victoria cruziana trotzdem in voller Blüte bestaunen können, ist der Alte Botanische Garten während der Victoria-Nächte bis 21.30 Uhr geöffnet.

Blatt trägt 80 Kilo

Um zu zeigen, dass die Riesen-Seerose nicht nur beeindruckend groß, sondern auch stark ist, werden im Botanischen Garten seit einigen Jahren Belastungstests durchgeführt. Nachdem im vergangenen Jahr ein ausgewachsenes Seerosen-Blatt mit einem Durchmesser von 1,65 Meter mit 80 Kilogramm Kartoffeln beladen wurde, diente in diesem Jahr ein junges Blatt, das erst seit einer Woche auf der Wasseroberfläche schwamm, als Versuchsobjekt.

In dieser kurzen Zeit vergrößerte das Blatt seinen Durchmesser von 15 Zentimetern auf knapp 80 Zentimeter. Auch dieses Blatt, das an seiner dünnsten Stelle maximal drei Millimeter dick ist, wurde mit Kartoffeln beladen. Erst ab einem Gewicht von 50 Kilogramm drang Wasser ein. Der zweite Langzeitversuch mit der Seerose funktionierte ebenfalls: Seit 2006 wird jedes Jahr ein Blatt mit demselben Kind, das natürlich von Jahr zu Jahr größer und schwerer wird, belastet. Die mittlerweile sechsjährige Rojin-Emilia ist inzwischen 1,35 Meter groß und wiegt 25,5 Kilogramm. Als Liegefläche diente ihr dieses Mal ein Blatt mit einem Durchmesser von 1,30 Meter. Da das Mädchen wegen seiner Größe etwas über den Blattrand hinausragte, lief Wasser auf das Blatt, wodurch sich das Gewicht zusätzlich erhöhte. Trotzdem hielt sich das Seerosen-Blatt mit dem Kind an der Wasseroberfläche.

„Die Versuche waren erfolgreich, obwohl unsere Seerose nach einem schwierigen Start im Frühjahr und dem eher trüben Sommer noch lange nicht ihre maximale Größe erreicht hat“, sagt Dr. Gabriele G. Weis vom Alten Botanischen Garten. „Wir haben in den vergangenen Jahren Blattdurchmesser von bis zu zwei Metern gemessen. Solche Blätter könnten bis zu 100 Kilogramm Gewicht tragen.“ (shx)

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