26-Jähriger griff Bekannten seiner Ex mit Messer an

Zweieinhalb Jahre Haft für blutige Eifersuchtsattacke

Kassel. Drei Tage lang wurde verhandelt, für zwei Stunden zog sich das Schöffengericht am Ende zur Beratung zurück. Und das Ergebnis ließ den 26-Jährigen auf der Anklagebank erstarren: Zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilte ihn das Kasseler Amtsgericht am Mittwoch – vor allem wegen einer Messerattacke auf den vermeintlichen Liebhaber seiner Ex-Freundin in Bettenhausen.

„Wir haben es uns nicht leicht gemacht“, sagte Richter Kleinherne. „Aber man hat es uns auch nicht leicht gemacht.“

Von angeblich vollständigem Erinnerungsverlust über jugendlich-nassforsche Pampigkeit bis zum munteren Verschweigen oder gar Lügen reichte, was den Verfahrensbeteiligten aus dem Zeugenstuhl entgegenschlug. Zudem konnten von der vielleicht wichtigsten Belastungszeugin nur ihre Aussagen bei der Polizei verlesen werden: Die Ex-Freundin des Angeklagten ist unbekannt verzogen. Unauffindbar jedenfalls für die Behörden. Auch das gibt es heutzutage noch.

Mit der heute 23-Jährigen hatte der Angeklagte eine Beziehung geführt, die Staatsanwältin Sandra Petzsche „explosiv“ und das Gericht „fatal“ nannte. „Es war eine On-Off-Beziehung, bei der sich die Konflikte immer wieder auch in strafbarem Verhalten Bahn gebrochen haben“, sagte Richter Kleinherne. Wobei durchaus auch der Angeklagte gelegentlich der Leidtragende gewesen sei.

Im September 2013 war diese Beziehung wohl bereits endgültig auf „Off“ geschaltet, als der 26-Jährige eines Nachts bei der jungen Frau auftauchte, die Wohnungstür eintrat und sich in ein Handgemenge mit dem anwesenden Mann stürzte. Und nach Überzeugung des Gerichts auch mit einem Messer zustach. Ohne seinen Gegner allerdings allzu schwer zu verletzen.

Vier Monate zuvor soll sich der Angeklagte schon einmal Zutritt zur Wohnung der 23-Jährigen verschafft haben, sich in ihr Bett gelegt und ihr – als sie nach Hause kam und erschrocken flüchtete – obszöne Beleidigungen und Morddrohungen nachgerufen haben. Auch das hielt das Gericht trotz der fehlenden Zeugin für erwiesen.

Und auch an einer sonderbaren Racheaktion des 26-Jährigen gegen einen Freund, mit dem er wegen eines Handy-Ladekabels im Clinch lag, zweifelte das Gericht nicht: Demnach schlug der Angeklagte seinem Widersacher in einer Dezembernacht 2012 unvermittelt ins Gesicht – nur wenige Minuten, nachdem er mit unbekannten Mittätern bei dem 27-Jährigen eingebrochen war, um ihm eine Playstation zu stehlen.

Mit dem Urteil folgte das Gericht weitgehend der Staatsanwaltschaft, die drei Jahre Haft verlangt hatte. Die Verteidigung hatte wegen der widersprüchlichen Zeugenaussagen dagegen die meisten Vorwürfe für nicht nachweisbar erklärt – und deshalb eine höchstens sechsmonatige Bewährungsstrafe gefordert. (jft)

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb

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