27-Jähriger Kasseler muss sich nach Messerattacke erneut vor Gericht verantworten

Kassel. Nein, an die Wunde an der Augenbraue des Angeklagten hat der Arzt keine genauen Erinnerungen. „Es kommen halt haufenweise Schlägereien rein, am Wochenende, am Abend“, sagt er dem Kasseler Amtsgericht als Zeuge.

Dass er den 27-jährigen Kasseler in der Notaufnahme des Klinikums behandelte, ist auch schon recht lange her.

Schon im Januar hatte das Amtsgericht deshalb gegen ihn verhandelt. Dann wurde die Richterin lange krank. Jetzt bemüht sich ein neuer Richter noch einmal von vorn und bei hohen Temperaturen, die Vorfälle jenes Winterabends einzuordnen.

Der Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen. Der 34- und der 35-jährige Geschädigte, die als Nebenkläger am Prozess teilnehmen, berichten Folgendes: Vom Fußballtraining seien sie nach Hause gefahren, als etwas - vermutlich ein Schneeball - das Auto getroffen habe. Der 34-Jährige, als Beifahrer, habe angeregt, zu drehen und eine Gruppe von fünf bis sechs junger Männer zu fragen, was der Wurf sollte. Alle seien freundlich gewesen, mehrere hätten sich entschuldigt, sagt der 34-Jährige aus.

 Nur der Angeklagte sei aggressiv gewesen. Die erste Tätlichkeit, die er schildert, geht dann allerdings von seinem Kumpel, dem Fahrer, aus. Der habe dem 27-Jährigen mit dem Fuß ein Bein weggefegt: „Er wollte nicht, dass er ihm noch näher kommt.“

Der Angeklagte sei dann verschwunden und mit einem 30 bis 35 cm langen gebogenen Messer zurückgekehrt, sagt der Beifahrer. Es sei zu einer Auseinandersetzung mit dem Fahrer gekommen, er habe den Angeklagten weggezogen und dabei den Stich erlitten. Als er das Blut sah, habe er nur noch in die Klinik gewollt.

Angehörige der Schneeball-Fraktion hatten im ersten Prozess die Auto-Fraktion als Aggressoren geschildert. Einer wollte gar einen „einen glitzernden Gegenstand“ in der Hand des Beifahrers gesehen haben. Waffen, versichert der 34-Jährige aber auf Nachfrage, habe niemand im Auto dabei gehabt: „Niemals, 100 Prozent.“

Ende auf OP-Tisch

Für ihn endete jener Abend auf dem OP-Tisch im Klinikum. Einen fünf Zentimeter langen Stichkanal bis in den Bauchraum konnte der Operateur sondieren. Er musste zwei Blutungen im Körperinnern stillen. Die Verletzungen des 34-Jährigen bezeichnet dieser zweite als Zeuge befragte Arzt als „potenziell lebensgefährlich“: 500 ml Blut im Bauch - das sei „schon ein bisschen was“.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Katja Schmidt

Am 16. Dezember 2010 war der junge Gastwirt an einer Schneeballschlacht beteiligt, die blutig eskaliert sein soll. Der 27-Jährige ist der gefährlichen Körperverletzung angeklagt. Er soll einen heute 34-jährigen Mann ein Messer in den Bauch gestoßen und einen heute 35-Jährigen damit am Bein verletzt haben.

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