Bewährungsstrafe für 36-Jährigen, der betrunken einen anderen Mann verletzt hat

Blutiges Ende einer Kneipentour

Kassel. Ein Besuch in der „Bierstube am Stern“ endete für einen 35-Jährigen im Frühjahr vergangenen Jahres mit einer zehn Zentimeter langen und anderthalb Zentimeter tiefen Schnittwunde im Gesicht. Der Urheber war ein 36-jähriger Gast, der an jenem Abend zu tief ins Glas geschaut hatte. Davon war am Ende eines dreitägigen Prozesses vor dem Amtsgericht jedenfalls Richter Matthias Grund überzeugt. Deshalb wurde der 36-Jährige unter anderem wegen Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Er hatte bis zuletzt seine Unschuld beteuert und auch in seinen letzten Worten vor der Urteilsverkündung „Gerechtigkeit“ verlangt, denn: „Ich habe mit den Verletzungen nichts zu tun“. Er räumte lediglich ein: „Ich war ein bisschen besoffen.“ Mehrere Flaschen Bier und eine halbe Flasche Schnaps habe er an jenem Abend getrunken. Er sei von dem 35-Jährigen beschimpft worden und auf ihn sauer gewesen, „ich habe ihn aber nicht geschlagen“.

Der später verletzte Mann, der in dem Prozess als Nebenkläger auftrat, berichtete hingegen, er sei von dem Angeklagten aufgefordert worden, mit ihm von dem Schnaps zu trinken, das habe er aber abgelehnt. „Er war deshalb sauer.“ Demnach musste er eine Schimpfkanonade über sich ergehen lassen. Später habe er sich bei der Kellnerin und dem Betreiber der Kneipe über den aufdringlichen Gast beschwert, der Wirt habe ihn deshalb an die Luft gesetzt. Als er selbst nach draußen ging, soll der andere ihm einen Schlag mit einem zerbrochenen Glas versetzt haben. „Plötzlich wurde es in meinem Gesicht warm, Blut lief herunter.“ Mehrere Operationen waren nötig, um die Wunde, die sich vom Auge bis zum Ohr zog, zu schließen. Noch heute leidet der 35-Jährige an den Folgen. Zeugen hatten beobachtet, wie es in der Kneipe zu dem Streit gekommen war und wie sich später der Angeklagte und der Nebenkläger draußen gegenüberstanden, zuvor soll ein Glas oder eine Flasche zu Bruch gegangen sein. Doch niemand hatte gesehen, wie der eine den anderen verletzte.

Für Richter Grund ergab die Beweisaufnahme jedoch, dass nur der Angeklagte dafür verantwortlich sein kann. Immerhin habe ein Zeuge beobachtet, wie er draußen die Hand zum Gesicht des später verletzten Mannes bewegt hatte. Und „es konnte keine andere Person ermittelt werden, die einen Rochus auf ihn hatte.“ Der Angeklagte habe an jenem Abend zu viel Alkohol getrunken und sei deshalb nur vermindert schuldfähig; zudem ist er nicht vorbestraft. Das komme ihm zugute, sagte Grund. Deshalb kassierte der 36-Jährige am Ende nur eine Freiheitsstrafe von neun Monaten, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt wird. Außerdem muss er 500 Euro an die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ zahlen. (pas)

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