Nach der Spende: So wird das Blut verarbeitet

Kassel. Etwa eine Stunde dauert eine Blutspende - mit Vorbereitung und einer Stärkung im Anschluss. 1792 Menschen haben das bereits hinter sich, sie haben Dienstag und Mittwoch an der HNA-Blutspendeaktion teilgenommen. Was danach mit dem Blut passiert, erklären wir hier:

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Um 21 Uhr fährt der DRK-Transporter am Institut an der Mönchebergstraße vor. Die 300 Blutbeutel, die an Bord sind und von Spendern der HNA-Aktion stammen, werden über Nacht in einem klimatisierten Raum zwischengelagert. Ab 5 Uhr treffen die ersten Mitarbeiter ein, insgesamt gibt es sechs Beschäftigte in der Produktion. Ihre Aufgabe ist es, das unbehandelte Vollblut in seine verschiedenen Bestandteile zu verarbeiten: rote Blutkörperchen, Blutplasma und Blutplättchen. Dieser Vorgang dauert insgesamt etwa drei Stunden.

1. Als Erstes kommt der Schleudergang: Dafür werden die 500-Milliliter-Blutbeutel, in Plastikbechern gefaltet, in die Zentrifuge eingesetzt. Mit 3500 Umdrehungen pro Minute werden je zwölf Blutspenden dann im Kreis geschleudert. Durch das unterschiedliche Gewicht der Teilchen setzen sich die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) unten ab, oben bleibt das gelblich-durchsichtige Plasma zurück. In der Grenzschicht befinden sich weiße Blutkörperchen und Blutplättchen.

Fotos: Blutspendeaktion der HNA 2012 - Tag 1

Blutspendeaktion der HNA 2012 - Tag 1

2. Zur weiteren Auftrennung werden die Beutel nun in die Mangel genommen: Sie werden in den sogenannten Separator eingespannt und vier Minuten lang gepresst. Die Maschine drückt das Plasma oben in einen neuen Beutel, unten gibt es einen zweiten Extrabeutel, in dem die roten Blutkörperchen landen. Der Rest, der im Ausgangsbeutel verbleibt, heißt in der Fachsprache Buffy-Coat. Darin befinden sich die Blutplättchen. Diese Restsubstanz wird im größeren Institut in Frankfurt weiterverarbeitet.

3. In den Beutel mit den roten Blutkörperchen läuft zusätzlich eine Nährlösung ein. Darin befinden sich energiereiche Phosphate. „Das sind lebendige Zellen, die brauchen sozusagen etwas zu essen“, erläutert Dr. Andreas Opitz, stellvertretender Leiter des Kasseler Instituts. Die Beutel mit den Erythrozyten werden aufgehängt, sodass das Konzentrat durch einen Filter läuft. In diesem bleiben die weißen Blutkörperchen hängen. Diese könnten nämlich Nebenwirkungen beim Empfänger der Spende verursachen.

Fotos: Blutspendeaktion der HNA 2012 - Tag 2

Blutspendeaktion der HNA 2012 - Tag 2

4. Das Plasma nimmt einen anderen Weg: Es wird in einer Art riesigem Gefrierschrank, in dem minus 60 Grad herrschen, innerhalb von einer Stunde auf minus 30 Grad heruntergekühlt. Dann kommen die Eis-Plasma-Beutel in einen Kühlraum, wo sie bis zu zwei Jahre haltbar sind.

5. Eine kürzere Lebensdauer haben die roten Blutkörperchen. Sie werden bei 2 bis 6 Grad gelagert und können 35 Tage lang verwendet werden. Sortiert nach Blutgruppen kommen sie in eine Art Kühlschrank im DRK-Institut an der Mönchebergstraße. Von dort aus werden sie bei Bedarf an das benachbarte Klinikum und 42 weitere Krankenhäuser in der Region geliefert. Das Blut der Spender, die am Dienstag im RP waren, kann heute vielleicht schon ein Leben retten.

Von Katja Rudolph

Video: HNA-Blutspendeaktion

Täglich von 10 bis 20 Uhr mit der HNA Blut spenden

Noch bis Freitag läuft die große Blutspendeaktion von HNA und DRK.

Wann? Täglich von 10 bis 20 Uhr.

Wo? Im Regierungspräsidium am Steinweg.

Wer darf spenden? Alle gesunden Menschen zwischen 18 und 71 Jahren.

Mindestgewicht: 50 Kilo.

Erstspender: sollten nicht älter als 65 Jahre sein. Ab dem Alter von 69 Jahren braucht man ein Attest des Hausarztes.

Bitte mitbringen: Eine gute Stunde Zeit und den Personalausweis. Wer bereits einen Blutspendeausweis hat, sollte diesen mitbringen.

Parken: Der Parkplatz zwischen Schauspielhaus und Regierungspräsidium ist bis einschließlich Freitag für Blutspender reserviert, die dort kostenlos parken können.

Dankeschön: Jeder Spender bekommt neben einem kostenlosen Imbiss noch ein Geschenk. Ab sofort haben die Blutspender dabei die Wahl: entweder eine Vier-Stunden-Karte der Kurhessen-Therme oder einen Gutschein für einen Kinobesuch im Cineplex-Capitol. (rud)

Rubriklistenbild: © Koch

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