Kasseler Bahn- und Buszulieferer

Bode-Türen aus Kassel sind hart im Nehmen: Monatelang geht es im Labor auf und zu

Türenproduktion bei Bode: Unser Foto zeigt Martin Weber bei seiner Arbeit. Foto: Bode/nh

4 bis 5 Mio. Euro jährlich investiert der Kasseler Bahn- und Bustüren-Hersteller Bode in Kassel. Das Werk mit fast 700 Beschäftigten ist das weltweite Kompetenzentrum der Gruppe.

Die Zug- und Bustüren des Bahn- und Autozulieferers Bode in Kassel sind Schwerstarbeiter. Sie müssen unter widrigsten Bedingungen millionenfach zuverlässig öffnen und schließen, ständige Erschütterungen und die extreme Belastung bei Hochgeschwindigkeit ertragen, Hitze und Frost trotzen und auch bei anhaltendem Starkregen dicht sein – und das über viele Jahre hinweg.

Um sicher zu gehen, dass sie dem harten Job bei ihrem späteren Einsatz gewachsen sind, werden Prototypen im 2014 in Betrieb genommenen Technologiezentrum in der Ochshäuser Straße intensiv geprüft. In dem Testlabor bleibt den Probanden nichts erspart: In speziellen Vorrichtungen werden sie monatelang rund um die Uhr eine Million Mal geöffnet und geschlossen. Das verlangen die Abnehmer – Zug-, Straßenbahn-, Metro- und Busbauer sowie Betreiber in aller Welt.

Thomas Giebisch

In Reih und Glied müssen sich Türen für deutsche Regional- oder norwegische Hochgeschwindigkeitszüge, eine Straßenbahn in nordamerikanischen Baltimore oder eine Metro im mexikanischen Monterrey in den Härtetests bewähren. In einer Klimakammer werden sie Temperaturen von minus 50 bis plus 80 Grad Celsius ausgesetzt. An einem anderen Stand müssen sie in verschiedenen Neigungswinkeln zuverlässig funktionieren und nicht zuletzt auch noch einem 18-bar-Wasserstrahl standhalten, was dem achtfachen Druck in einem Autoreifen entspricht.

In Kassel wird alles entwickelt – sowohl für die Produktion vor Ort als auch für die Auslandswerke, die sämtliche Schlüsselkomponenten – vor allem die elektronischen Steuerungen und Antriebe – vom Stammwerk bekommen.

Die Bode-Muttergesellschaft, die Münchner Schaltbau AG, bekennt sich unterdessen klar zu ihrem nordhessischen Standort. „Kassel ist und bleibt das Herzstück der Bode-Gruppe und ein integraler Bestandteil des Konzerns“, sagte der Sprecher der Bode-Geschäftsleitung, Robert Wittmann, im Gespräch mit der HNA. Wie in der Vergangenheit werde man auch künftig jährlich vier bis fünf Millionen Euro am Standort investieren, zurzeit insbesondere in die Optimierung von Arbeitsfluss, Prozessen und Logistik. „Kassel wird in den kommenden Jahren deutlich gestärkt“, so Wittmann.

Sven Oelert

Das erwartete starke Wachstum in der überschaubaren Zukunft soll zunächst über Produktivitätssteigerungen und gegebenenfalls über neue Arbeitszeitmodelle bewältigt werden. Daher bleibe es vorerst bei den knapp 700 Beschäftigten am Standort. „Wir wollen erst einmal unsere Potenziale ausschöpfen“, erklärte Wittmann, der die Autosparte verantwortet und das Unternehmen gemeinsam mit Thomas Giebisch (Schiene) und Sven Oelert (Finanzen) führt. Zur Kasseler Bode-Gruppe gehören neben dem Stammwerk Kassel auch Fertigungsstätten in den USA, Großbritannien, Polen, der Türkei, Korea und China.

Hintergrund: Die Bode-Gruppe

Die Bode-Gruppe macht gut die Hälfte ihres Umsatzes mit Bahn- und ein Viertel mit Bustüren sowie 14 bis 20 Prozent mit Autozulieferung wie Schiebetüren für das T-Modell von VW und den ultraleichten Aufbau des elektrischen Kleintransporters Streetscooter der Post. 

Künftig wird Bode auch den Aufbau für ein größeres Post-Elektrofahrzeug fertigen sowie den Antrieb für die Schiebetüren eines noch größeren E-Transporters liefern, den Ford für den Logistikriesen baut. Der Münchner Schaltbau-Konzern beschäftigt weltweit fast 3400 Mitarbeiter, will in diesem Jahr 520 bis 540 Millionen Euro umsetzen und peilt einen Vorsteuergewinn von 15,6 bis 21,6 Mio. Euro an. 

Im vergangenen Jahr hatte die börsennotierte Schaltbau noch einen Verlust von zwölf Mio. Euro erlitten. Grund sind hohe Wertberichtigungen, Rückstellungen und Abschreibungen auf Firmenwerte in Folge riskanter und verschobenen Großprojekte sowie von Problemen bei ausländischen Töchtern. Die Krise löste ein Stühlerücken an der Spitze des Bahn- und Autozulieferers aus, das Ende 2016 im Rücktritt des damaligen n Vorstandschefs, Dr. Jürgen Cammann, gipfelte. 

Schaltbau stellt neben Türen für Züge, Busse und Transporter auch Signal- und Rangiertechnik, Bahnsteigtüren, Weichenheizungen, Industriebremsen für Container-Krane und Windräder sowie eine Vielzahl elektrischer und elektronischer Systeme und Komponenten für Schienenfahrzeuge her.

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