Männer zogen in die Natur

Vatertag in der Region: Mit Bollerwagen ins Grüne

Vom Lindenberg zur Neuen Mühle: Der Vatertagsausflug hat bei den Freunden aus Bettenhausen und Forstfeld Tradition. Ihr Weg führte die Männer auch durchs Buga-Gelände. Der siebenjährige Jan Knauf war auch mit dabei. Fotos: Schwaab

Kassel. Zwei 40-Liter-Fässer Bier, Ahle Wurscht und Zwiebelbrot - die Männer vom Lindenberg hatten ihren Bollerwagen gut beladen. Mit dem Gefährt, Marke Eigenbau, zogen sie am Vatertag mit Musik aus dem Radio frohgemut durchs Buga-Gelände Richtung Neue Mühle. Die Sonne lachte, der Tag war noch jung.

„Wir sind gute Freunde“, sagte Michael Knauf. „Einfach nur Kumpels.“ Der 34-Jährige hatte den Ausflug organisiert. Sein Sohn Jan war mit seinen sieben Jahren der Jüngste in der Truppe, Frank Span mit 67 der Älteste. Der gemeinsame Ausflug an Christi Himmelfahrt hat bei den Freizeitkickern und Keglern aus Bettenhausen und Forstfeld Tradition.

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Auf ihrer 18 Kilometer langen Tour legten sie immer wieder kleinePausen ein, um sich zu stärken. Natürlich gab’s nicht nur Bier, sie hatten auch Limonade und Wasser dabei. Und einen Sonnenschirm, der auch vor möglichen Regengüssen schützte.

So wie die Freunde vom Lindenberg zogen am Vatertag viele Männer ins Grüne. Freunde und Kollegen, die ein paar Stunden ohne Frauen genossen. „Wir machen immer dieselbe Runde“, sagte Manfred Jordan (59), der mit Freunden aus Immenhausen, Wehlheiden, Oberzwehren und Vellmar am Kleingartenverein Schönfeld losgezogen war.

Mit dem Bollerwagen durch die Aue: Fabian Kuba (5) durfte mit dabei sein.

Im Bollerwagen vier Kisten Pils, Fassbrause und Malzbier, Pfefferbeißer, Jagdwurst und Brot. Nach der Runde durch die Karlsaue ging’s am Nachmittag zum Grillen zurück zum Kleingartengelände - dann wieder mit Frauen. „Der Weg ist das Ziel“, sagte Martin Kuba (41). Dabei genossen es die Männer offensichtlich, einmal ein paar Stunden unter sich zu sein. „Dass man mal was schnacken kann“, sagte Kuba. „Über den KSV und über alte Zeiten.“

„Frische Luft, ein bisschen Volleyball und Frisbee“ - darauf freute sich Marcel Kepper (34). „Einfach einen schönen Tag machen“. sagte Manfred Funke (52). Der beiden feierten den Vatertag mit Fußballfreunden und Familienangehörigen aus der Nordstadt. Ihr Ziel war die Seglergaststätte auf dem Buga-Gelände.

Die beiden Bollerwagen waren schwer beladen: Drei Kisten Bier, Wasser, Bratwurst, Steaks - die Männer hatten gut vorgesorgt. „Wer nachher noch fit ist, der grillt“, sagte Manfred Funke und lachte. Später erwarteten die Männer ihre Frauen und Kinder. Dass für den Tag auch Regen angesagt war, kümmerte sie nicht. „Wir sind doch nicht aus Zucker“, sagte Jens Bischof.

Brachten Küken ans Wasser: Anne Schulz mit ihren Kindern Paul (4) und Emil (7).

Joachim Schulz nutzte den Vatertag, um mit seiner Frau Anne und den Kindern Emil (7) und Paul (4) eine Entenfamilie vom heimischen Balkon in Kirchditmold ans Wasser zu bringen. Zehn Küken waren dort geschlüpft. „Am Feiertag haben alle Zeit“, sagte der Familienvater. Bereits im vergangenen Jahr hatte eine Ente auf dem Balkon der Schulzes gebrütet. Für die Kinder war es trotzdem ein großes Erlebnis.

Entenfamilie: Rettung mit Hindernissen

So hatte sich Joachim Schulz den Vatertag dann doch nicht vorgestellt. Die Entenfamilie beschäftigte ihn fast den ganzen Tag. Und das kam so: Nachdem die Entenmutter samt Küken im Buga-Gelände ausgesetzt worden war, musste sich die Ente dreier Erpel erwehren, die sie hartnäckig verfolgten. Die Küken saßen unterdessen verängstigt und verloren im Gras.

Nach zweieinhalb Stunden vergeblichen Wartens, dass Mutter und Kinder glücklich vereint ihres Weges zögen, sammelte Familie Schulz die Küken wieder ein und fuhr mit ihnen nach Hause. „Dort wartete, wie erhofft, die Entenmutter auf ihren Nachwuchs“, berichtet der Apotheker (Stern-Apotheke am Hauptbahnhof) und Rockmusiker (Pardon) am Freitag per E-Mail.

„Nochmals ließ sie sich aber nicht einfangen.“ Er habe die Küken schließlich in den Fahrradkorb gepackt und sei zu Fuß, das Rad schiebend, von zu Hause über Harleshäuser Straße und Schanzenstraße fast zwei Kilometer zum Juliusstein gelaufen, wo der Geilebach zu einem kleinen Weiher aufgestaut ist.

„Die Entenmutter ist die ganze Zeit hinter mir her gewatschelt“, schreibt Schulz. „Ich habe durch diese Prozession einige Autos anhalten müssen und dadurch in die Straßenverkehrsordnung eingegriffen. Wir alle (Ente und ich mit den Küken) sind dann nach etwa einer halben Stunde und zahlreichen Gesprächen, die ich mit Passanten geführt hatte, die Entenmutter zwar sehr erschöpft, aber glücklich und ohne Verluste, dort angekommen.“

Da sei es fast 17 Uhr gewesen. „So kann man seinen Vatertag auch verbringen.“ PS: „Wieder zu Hause angekommen, habe ich dann aber auch ein Bier getrunken ...“ (els)

Von Ellen Schwaab

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