Albert Bastius wirft hin

Schwerer Rückschlag für Bombardier: Lokwerk verliert Hoffnungsträger

Albert Bastius Foto: Malmus

Schwerer Rückschlag für das Bombardier-Lokwerk in Kassel: Der Chef der Sparte, Albert Bastius, verlässt das Unternehmen und wechselt zum Bahn-Dienstleister TX Logistik.

Das erfuhr die HNA aus Branchenkreisen. Bastius, der vor neun Monaten von der Deutschen Bahn gekommen war, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Aus der Konzernzentrale in Berlin gab es zunächst keine Mitteilung zur aktuellen Personalie.

Nach Einschätzung von Branchenkennern verliert Kassel mit dem 49-Jährigen nicht nur einen ausgewiesenen und von Kunden und Belegschaft gleichermaßen geschätzten Bahntechnik-Experten, sondern auch einen Fürsprecher für den Standort, dessen Schließung beziehungsweise Verkleinerung seit gut einem Jahr diskutiert wird.

Bastius, der die Loksparte modernisieren und zu alter Blüte führen wollte, war es nach Überzeugung von Mitarbeitern und Bahnexperten in der Kürze der Zeit gelungen, verloren gegangenes Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen. „Wie es jetzt weitergehen soll, steht in den Sternen“, sagte ein Branchenkenner. Bastius sei ein Hoffnungsträger für Kassel gewesen. Er habe aber unter der Konzernleitung keine Chance gehabt, gute Ideen und Pläne umzusetzen. „Man hat ihn belogen und betrogen“, hieß es.

Bombardier-Werk in Kassel: Turbulenzen. 

Ein anderer Bahntechnik-Experte bezeichnet die Entwicklung als „bedrückend“. Der Standort Kassel sei nun den „absurden Entscheidungen“ aus Berlin schutzlos ausgesetzt. Bastius habe die Brocken hingeworfen, weil man Versprechungen nicht eingehalten habe. Das spreche sich in der Branche herum. „Bombardier hat gute Leute und Produkte. Das Problem ist die Führung“, sagte er.

Vor gut einem Jahr entging der Traditionsstandort mit seinen 700 Beschäftigten auch dank des großen politischen und medialen Drucks nur knapp einer Schließung zugunsten des norditalienischen Schwesterwerks in Vado Ligure. Zurzeit wird über den Abzug der mechanischen Konstruktion und Vertrieb nach Mannheim diskutiert, was von Bahnkennern als Abwicklung auf Raten bezeichnet wird.

Unabhängig davon wird über einen Verkauf oder eine Fusion mit der Siemens-Bahntechniksparte oder dem chinesischen Großkonzern CRRC spekuliert Auch eine Zerschlagung ist im Gespräch, bei der sowohl Siemens als auch CRRC zum Zuge kämen. Nach Informationen aus Branchenkreisen soll eine Entscheidung bereits in den nächsten Wochen fallen.

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