Blindgängersuche auf Karlsaue beschränkt

Bomben unter Hessenkampfbahn? Keine Großveranstaltungen mehr

Bombentreffer rund um die Orangerie: Das Luftbild entstand am 23. Oktober 1943, einen Tag nach dem schweren Luftangriff auf Kassel. Links im Bild sind das zerstörte preußische Staatstheater und der Friedrichsplatz zu erkennen. Dahinter liegt die qualmende Stadt. Foto: Aus dem Buch „Die Zerstörung Kassels im Oktober 1943“ von Werner Dettmar/nh

Kassel. Mit großem Aufwand läuft die Suche nach Weltkriegsbomben in der Karlsaue und im Bergpark. Experten eines Kampfmittelräumdienstes untersuchen im Auftrag der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) deren Parks und haben in kurzer Zeit ein gutes Dutzend Blindgänger aus dem Boden geholt.

Auf der Karlswiese vor der Orangerie sind die Spezialisten besonders oft fündig geworden. Dennoch wird die benachbarte Hessenkampfbahn – Kassels meistgenutzte Schulsportstätte – derzeit nicht untersucht.

Rainer Kuhlmann, Kassels ehemaliger Sportsamtsleiter, hatte sich jetzt über diese Tatsache gewundert. Als er in der HNA von der Bombensuche vor der Orangerie gelesen hatte, fragte er sich, warum die Hessenkampfbahn ausgespart wird. Denn aus seiner Erinnerung sei die Sportstätte nie auf Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg untersucht worden.

Einst viele Bombenkrater

Kuhlmann war von 1976 bis 2009 Amtsleiter und hatte in der Zeit direkt an der Anlage gewohnt. Auf Kriegsbildern hatte er gesehen, dass auch die Hessenkampfbahn im Jahr 1943 von zahlreichen Bombenkratern übersät war.

Die Stadt Kassel bestätigt Kuhlmanns These: „Unseres Wissens hat dort keine Kampfmittelsondierung stattgefunden“, sagte Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich. Zuständig dafür sei aber nicht die Stadt, sondern die Eigentümerin des Areals, die MHK. Die Stadt sei lediglich seit vielen Jahren Pächterin der Sportstätte.

Informationen, Videos und Fotos zur Bombennacht in Kassel finden Sie hier in unserem Spezial.

Auf Anfrage bei der MHK teilte Sprecherin Natascha Callebaut mit, die Hessenkampfbahn werde vorerst nicht untersucht. Nach Einschätzung des Kampfmittelräumdienstes habe die Sportstätte nicht die höchste Priorität. Dort seien keine größeren Erschütterungen zu befürchten, wie es sie in den Parks durch Baumfällungen oder die Zissel-Fahrgeschäfte auf der Karlswiese gebe.

Großveranstaltungen, wie sie etwa zum Hessentag auf der Hessenkampfbahn stattfanden, seien dort zukünftig aber nicht mehr möglich, sagte Callebaut. Wann die Fläche untersucht werde, sei noch völlig offen.

Der ehemalige Sportamtschef Kuhlmann ist sich indes sicher, dass dort ähnlich viele Blindgänger liegen wie auf der Karlswiese. Schließlich liege der Bereich nahe der Innenstadt, auf die am 22. Oktober 1943 etwa 400.000 Bomben fielen. Experten schätzen, dass im Schnitt jede zehnte nicht explodierte: Das wären in Kassel 40.000 Blindgänger, von denen bisher nur ein Bruchteil unschädlich gemacht wurde.

Gefahr von Selbstzündungen

Blindgänger-Experten hatten zuletzt darauf hingewiesen, dass nicht detonierte Bomben im Laufe der Jahre immer gefährlicher werden. Durch das Rosten könne es zu Selbstzündungen kommen.

Von Bastian Ludwig

Lesen Sie dazu auch: Kampfmittelräumdienst hat in Aue- und Bergpark zwölf Sprengkörper geborgen

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