Kasseler erhält Bewährungsstrafe

Bombendrohung: Täter war „von Eifersucht getrieben“

Kassel. Wegen einer Bombendrohung im Rathaus stand am Mittwoch ein 51-jähriger Mann aus Kassel vor Gericht. Er hatte im Kasseler Rathaus angerufen und angekündigt, dass er eine Bombe gelegt habe, die in einer halben Stunde hochgehe. Dafür erhielt er nun eine Bewährungsstrafe.

„Sie sind von Neid, Missgunst und Eifersucht getrieben worden. Das sind Motive, die nicht unbedingt für Sie sprechen“, sagte Richterin Sabrina Müller-Krohe während der Urteilsbegründung zu dem 51-jährigen Mann aus Kassel. Wegen der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten und Fahrens ohne Führerschein (das spielte aber nur eine untergeordnete Rolle) wurde der Mann am Mittwochvormittag zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt, die allerdings auf Bewährung ausgesetzt worden ist. Zudem muss er eine Geldbuße von 1000 Euro an „Ärzte ohne Grenzen“ zahlen.

Der Angeklagte während des Prozesses.

Dass er mit einer Bewährungsstrafe vor dem Amtsgericht davon gekommen ist, hat der Mann vor allem seinen Geständnis zu verdanken. Er räumte ein, dass er am 18. Oktober 2011 zwei Mal beim Servicecenter des Rathauses angerufen und gedroht hatte, dass demnächst eine Bombe hochgeht. Mit der Drohung wollte er verhindern, dass seine Exfreundin an diesem Tag im Standesamt heiratet.

Fotos: Rathaus Kassel evakuiert

Rathaus Kassel nach Bombendrohung evakuiert

Er wollte die Beziehung wieder aufleben lassen. Zudem habe er gewusst, dass seine Ex ihren neuen Partner erst seit einem halben Jahr gekannt habe und unsicher gewesen sei, ob sie ihn überhaupt heiraten soll. Wenn er die Trauung durch die Bombedrohung an diesem Morgen verhindert hätte, dann hätte seine Ex den Mann sicher auch nicht mehr zu einem späteren Zeitpunkt geehelicht, war sich der 51-Jährige sicher. Seine Drohung kam aber zu spät. Die beiden hatten bereits „Ja“ gesagt, als der Trausaal evakuiert wurde.

Nichtsdestotrotz scheint der 51-jährige Lagerist seine Expartnerin gut zu kennen. Die 54-jährige Frau erklärte im Zeugenstand, dass das Thema Hochzeit wohl erst einmal für sie erledigt gewesen wäre, wenn es an diesem besagten Morgen nicht geklappt hätte. Eine Aussage, die die Richterin irritierte. Auf Nachfrage erklärte die Zeugin, dass sie immer noch mit ihrem Mann zusammen sei. Allerdings sei sie an ihrem Hochzeitstag schon vor der Bombendrohung „bedient“ gewesen. Als die Hochtzeitsgesellschaft zum Rathaus aufbrechen wollte, waren die Scheiben des einen Autos zerkratzt, beim anderen Fahrzeug war der Reifen platt. Ihr Zukünftiger habe im Hochzeitsanzug noch den Reifen wechseln müssen.

Artikel aktualisiert um 15.45 Uhr.

Der 51-Jährige war auch wegen dieser Sachbeschädigung angeklagt. Diese Taten bestritt der Mann aber, der mitunter bockig auf Nachfragen reagierte. Auch wenn sich Staatsanwalt Michael Craß sicher war, dass der Angeklagte dafür ebenfalls verantwortlich ist, so wurden diese Anklagepunkte im Einvernehmen mit dem Gericht eingestellt. Mit Blick auf die viel schwerwiegendere Tat: Seine egoistischen Bedürfnisse habe der Mann so hochgehängt, dass er in Kauf genommen habe, dass das komplette Rathaus geräumt wird, sagte Craß. Dabei habe er auch in Kauf genommen, dass Leute aus Angst einen „Herzkasper“ hätten bekommen können, sagte Richterin Müller-Krohe.

Das Urteil ist rechtskräftig.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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