Sophie Koch schaffte einen nicht detonierten Sprengkörper aus dem Viehmann-Haus

Kasseler Bombennacht vor 70 Jahren: Bombe fiel in Märchenhaus

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Schaffte die Bombe auf die Straße: Sophie Koch.

Kassel. Es ist wohl das historisch bedeutsamste Gebäude in Niederzwehren: Das Fachwerkhaus am Märchenweg 11, in dem Dorothea Viehmann von 1787 bis 1798 lebte.

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Was viele Menschen nicht wissen: Beinahe wäre auch das Haus der berühmten Märchenlieferantin der Brüder Grimm in der Bombennacht am 22. Oktober 1943 zerstört worden.

Diese Geschichte hat jetzt der 72-jährige Dieter Stockfisch aus Ehlen erzählt, dessen Familie bis 1976 in diesem Haus lebte. Stockfisch hat die schlimmste Bombennacht in der Kasseler Geschichte mit seiner Mutter und Schwester im Weinbergbunker überlebt.

Ein Familienmitglied sei bei einem Bombenalarm aber immer zu Hause geblieben. Bei dem folgenschweren Angriff der Engländer vor 70 Jahren sei das seine Großmutter Sophie Koch gewesen.

Eine Bombe sei durch das Dach in die Küche und dann in das Erdgeschoss gefallen, wo seine Großeltern damals einen Tabakhandel betrieben, erzählt Stockfisch. Allerdings sei die Bombe nicht explodiert. Daraufhin habe die Großmutter Nachbarn zur Hilfe gerufen, und gemeinsam hätten sie den nicht detonierten Sprengkörper auf die Straße geschafft. Später sei er dort abgeholt worden.

Steht an seinem Elternhaus im Märchenviertel: Der 72-jährige Dieter Stockfisch.

Seine Großmutter habe er nie über diese schrecklichen Ereignisse sprechen hören. Bis er acht Jahre war und sich darüber gewundert hätte, warum in der Lehmdecke in der Küche immer wieder Risse auftraten. Erst da habe ihm seine Großmutter erzählt, dass eine Bombe ein Loch in die Decke gerissen hatte. Und sie berichtete ihrem Enkel auch von der großen Angst, die sie bei dem Angriff gehabt habe. Häuser in der Nachbarschaft waren zerstört worden.

Sophie Koch lebte übrigens bis zu ihrem Tod im April 1969 im Märchenhaus.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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