Bomben auf Schloss Wilhelmshöhe

Erinnerung an Kriegsende vor 70 Jahren: Zeitzeugen gesucht

Kassel. Mit dem Einmarsch der Amerikaner am 4. April 1945 war der Zweite Weltkrieg in Kassel vier Wochen vor der Kapitulation in Berlin beendet.

Die HNA sucht Zeitzeugen, die von den letzten Tagen des Krieges in der zerstörten Stadt berichten.

HNA-Regiowiki zum Zweiten Weltkrieg

Vor 70 Jahren war die Kasseler Innenstadt nahezu komplett zerstört. Den Bergpark Wilhelmshöhe mit dem Schloss und der Löwenburg hatten die Bomben des Zweiten Weltkriegs noch verschont. Das änderte sich am 29. Januar 1945. Bei einem weiteren großen Nachtangriff der britischen Royal Air Force wurde der Mittelbau von Schloss Wilhelmshöhe mit der Kuppel auf dem Dach zerstört. Auch der Hauptturm der Löwenburg wurde ein Opfer der Bomben.

Viele Jahre hat es gedauert, bis das Schloss - ohne Kuppel - als Kunstmuseum 1974 wieder eröffnet wurde. Die Spuren des Krieges sind bis heute zu sehen. Der Hauptturm der Löwenburg wird mit Baubeginn im Frühjahr erst jetzt wiederhergestellt.

In den letzten Wochen des Krieges gab es noch eine ganze Reihe von Bombenangriffen. Am 28. Februar steuerten 300 Flugzeuge der Amerikaner die Stadt an. Bei diesem fast vergessenen Großangriff kamen 35 Menschen ums Leben, 1200 Minen und Sprengbomben sowie 100 000 Stabbrandbomben sorgten für weitere Zerstörung.

Angriffe bis zum Schluss 

4. April 1945: Über die Frankfurter Straße am Weinberg gehen deutsche Wehrmachtssoldaten in amerikanische Kriegsgefangenschaft. An diesem Tag war der Zweite Weltkrieg in Kassel beendet. Foto: Stadtmuseum / nh

Zu den schlimmen Ereignissen der letzten Kriegstage gehörte auch die Erschießung von 78 italienischen Kriegsgefangenen am Bahnhof Wilhelmshöhe. Die hatten sich ebenso wie viele Einheimische mit Lebensmitteln aus einem aufgebrochenen Güterwagen bedient und wurden dafür hingerichtet. Zu diesem Zeitpunkt waren die amerikanischen Soldaten bei ihrem Vormarsch schon fast in Sichtweite. Am Ostersonntag, 1. April, heulten nachts noch einmal die Sirenen. Es war der letzte Bombenalarm nach 40 Angriffen mit mindestens 12.000 Toten in der Stadt.

70 Jahre später wollen wir in der Woche vor Ostern an die letzten Kriegstage in Kassel erinnern. Noch besteht die Chance, auf die Berichte von Zeitzeugen zurückzugreifen. Schildern Sie uns, was Sie damals in Kassel erlebt haben. In einer Stadt, deren Zentrum nach dem verheerenden Angriff vom 22. Oktober 1943 ausradiert war, aus der Zehntausende evakuiert waren, in der zum Beispiel bei Henschel aber weiterhin Panzer und andere Rüstungsgüter produziert wurden. Falls es noch private Fotos aus dieser Zeit gibt, sind wir daran ebenfalls interessiert.

Kontakt: HNA Lokalredaktion Kassel, Frankfurter Straße 168, 34121 Kassel, Stichwort Kriegsende. E-Mail: kassel@hna.de

Von Thomas Siemon

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.