Erinnerungen an 7. November 1938

Zeitzeugen gesucht: Wer hat die Kasseler Pogromnacht miterlebt?

Kassel. Als am 9. November 1938 überall in Deutschland die Synagogen brannten, war die große Kasseler Synagoge an der Unteren Königsstraße schon schwer beschädigt. Dort wütete der braune Mob bereits zwei Tage vorher.

Am 7. November 1938, also vor fast 75 Jahren, lieferte die Nachricht von einem Attentat dafür den Vorwand. Kaum war am Nachmittag die Meldung über das Radio verbreitet worden, sammelte sich vor der Synagoge eine Gruppe von Nazi-Aktivisten. Augenzeugen berichteten später von etwa 30 Männern in Zivil, die alle die gleiche Art von Stiefeln getragen hätten.

Attentat in Paris

Am Morgen dieses Montags hatte in Paris der 17-jährige Herzel Grynszpan auf den Legationsrat der deutschen Botschaft, Ernst von Rath, geschossen. Eine Verzweiflungstat, mit der er gegen die Abschiebung seiner Eltern protestieren wollte.

Zwei Tage später, am 9. November, erlag von Rath seinen schweren Verletzungen. Propagandaminister Joseph Goebbels stachelte mit einer antijüdischen Hetzrede zu den Pogromen an diesem Tag auf.

Da hatten die Kasseler Nazis längst zugeschlagen. Sie waren am 7. November in die Synagoge eingedrungen, hatten die Einrichtung verwüstet und Thorarollen, Stühle, Bänke sowie heruntergerissene Vorhänge auf die Straße geworfen und angesteckt.

Polizei schritt nicht ein

Die Feuerwehr achtete lediglich darauf, dass die Flammen nicht auf benachbarte Gebäude übergriffen, die Polizei hielt sich im Hintergrund. Hunderte von Schaulustigen standen auf dem Platz vor der Synagoge. Viele von ihnen applaudierten und johlten.

Wer hat noch Erinnerungen an den 7. November 1938, an dieses traurige Kapitel Kasseler Geschichte? Nachdem sich bei uns zahlreiche Zeitzeugen der Bombennacht vom 22. November 1943 gemeldet haben, bitten wir unsere Leser nun, uns mitzuteilen, wie sie die Zerstörung der Synagogen in Kassel miterlebt haben. (tos/use)

Zuschriften und Fotos senden Sie bitte bis zum 4. November an die HNA-Lokalredaktion Kassel, Frankfurter Straße 168, 34121, Kassel oder per E-Mail an kontakt@hna.de

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