Bis zu 30 Prozent detonierten nicht – Luftaufnahmen sollen Aufschluss geben

Fast eine halbe Million Fliegerbomben fielen auf Kassel

+
Luftbild von Bomber zu Bomber: Zu sehen ist eine amerikanische B  17, die ihre tödliche Fracht zwischen Kaufungen-Papierfabrik (rechts unten) und den Fieseler Werken ablädt.

Kassel. In der Kasseler Innenstadt gibt es nur zwei größere Flächen, die garantiert frei von nicht explodierten Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg sind: Der Friedrichsplatz und die Schwanenwiese. Die Blindgänger wurden alle beim Bau der Tiefgarage beziehungsweise des Messeplatzes entfernt.

Ansonsten muss man nahezu überall im Stadtgebiet und sogar im Bergpark Wilhelmshöhe mit gefährlichen Überbleibseln aus dem Krieg rechnen. Zwischen dem 22. Juni 1940 und dem 21. März 1945 war Kassel das Ziel von 40 Bombenangriffen.

Die Engländer flogen nachts, die Amerikaner warfen die tödliche Fracht am Tage ab. 20 bis 30 Prozent der 470.000 Bomben, die auf Kassel fielen, waren Blindgänger. Das wären maximal rund 140.000. Die meisten Bomben wurden bei dem Großangriff vom 22. Oktober 1943 abgeworfen. Damals ging fast die gesamte Kasseler Altstadt im Feuersturm unter, 10.000 Menschen kamen ums Leben.

Lesen Sie auch

Kriegsbomben: Bis zu 140.000 Blindgänger in der Erde

Nach dem Krieg haben die Engländer dem deutschen Kampfmittelräumdienst Teile ihrer Luftaufnahmen zur Verfügung gestellt. Das Problem: Auf den Bildern sind zwar die Bombenkrater deutlich zu sehen, die Einschläge der Blindgänger allerdings kaum. Beim Wiederaufbau hatte man noch nicht die technischen Möglichkeiten, flächendeckend nach Bomben zu suchen. Erst vor wenigen Jahren haben die Engländer alle Luftbilder von Angriffen im Krieg veröffentlicht. Fachleute warnen davor, dass knapp 70 Jahre nach Kriegsende einige Zünder jetzt erst durchgerostet und damit unkontrollierbar geworden sind.

Oft sind die Bomben am Ziel vorbeigegangen. Die Bomber flogen in 7000 bis 8000 Metern Höhe mit einer Geschwindigkeit von etwa 400 Stundenkilometern. Wenige Augenblicke Verzögerung beim Abwurf hatten erhebliche Auswirkungen.

Von Thomas Siemon

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.