Erinnerung an Tote

Wir geben den Opfern der Bombennacht ein Gesicht

Martha Steinmar (geboren 1880, links) und ihre Tochter Margarete Kaiser (geboren 1920, rechts)

Kassel. Die Bombennacht vom 22. Oktober 1943 zählt zu den dunkelsten Stunden in der Geschichte Kassels. Tausende Menschen verloren ihr Leben. So auch Martha Steinmar (geboren 1880) und ihre Tochter Margarete Kaiser (geboren 1920).

„Sie starben in der Bärenkammer“, berichtet Urenkelin Christine Semm (51).

Ihre Verwandten hatten in der Kasseler Innenstadt gelebt und suchten am 22. Oktober 1943 im Gewölbekeller unter der Gaststätte „Bärenkammer“ mit dem Baby von Margarete Kaiser Schutz. Überlebt haben sie den Angriff nicht.

Mehr zum Thema lesen Sie auch im Bombennacht-Spezial.

"Mein Onkel, damals zwölf Jahre alt, hatte meine Urgroßmutter mittags noch gesehen und sie gebeten, zu ihnen zum Fasanenhof zu kommen", erzählt Christine Semm. Im Fasanenhof lebte ein Teil der Familie. Doch die Urgroßmutter blieb mit ihrer Tochter und dem Enkelkind an der Hohentorstraße.

"Insgesamt hatte meine Urgroßmutter fünf Kinder", erzählt Semm. Es sei irgendwie beruhigend zu wissen, dass ihre Urgroßmuter in der Stunde des Todes nicht allein und zusammen mit ihrer Tochter gewesen sei, sagt die 51-Jährige. Semm ist in Kassel geboren und lebt heute in Oberursel (Taunus). Mit der Geschichte ihrer Familie setzt sie sich immer wieder auseinander. Auch besucht sie den Kasseler Hauptfriedhof, wenn sie hier ist, um an das Grab der Verwandten zu gehen.

„Ich möchte den Opfern von damals ein Gesicht geben“, sagt Semm und ließ deshalb der HNA die Bilder ihrer Urgroßmutter und Großtante zukommen.

Der Opfer gedenken

Auch wir wollen der Opfer gedenken. Deshalb die Bitte: Wenn auch Sie Bilder von Familienmitgliedern, Verwandten oder Freunden haben, die in der Bombennacht 1943 gestorben sind, dann schicken Sie diese per Mail an online@hna.deoder per Post an: HNA Online, Stichwort: Bombennacht, Frankfurter Straße 168, 34121 Kassel.

Wir veröffentlichen die Bilder in einer Fotogalerie in unserem Bombennacht-Spezial auf HNA.de im Internet.

Erinnerungen: "Menschen als brennende Fackeln"

Unsere Leserin Sabine Lottmann schreibt uns per Mail:

Ich bin in Kassel aufgewachsen, und meine Mutter ist in Kassel geboren. Mein Großvater Karl Vaupel kam aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Bad Karlshafen, alte Hugenotten. Meine Großmutter Elisabeth Wittekind wohnte mit meinem Großvater und der einzigen Tochter in Kassel Am Grünen Weg in einem Hinterhaus. Zeitzeuge bin ich nicht. Aber vielleicht interessiert Sie die kurze Geschichte.

Mein Großvater brachte meine Mutter kurz vor der Bombennacht aus Kassel in das Heimatdorf meiner Großmutter Elisabeth. Er ahnte wohl, was passieren würde. Aus Erzählungen weiß ich, dass es in dieser Nacht wohl das Schlimmste passierte, das Menschen erleben können.

Menschen standen als brennende Fackel in dem von der Hitze aufgeweichten Straßen und kamen nicht mehr weg. Meine Großmutter erzählte immer unter Tränen: Ich habe Kassel noch in Rauschenberg brennen sehen. Später zog die kleine Familie wieder zurück nach Kassel.

Von Jessica Berger

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