Am 23. Oktober 1943 sollten die Kasseler Musiktage beginnen

Kasseler Bombennacht vor 73 Jahren: Im Inferno starb auch die Musik

Der Feuersturm in der Bombennacht: Das Foto entstand am Abend des 22. Oktober 1943 in der Kasseler Altstadt. Aufgenommen wurde es von dem Feuerwehrmann Friedrich Unkel. Foto:  Stadtmuseum/nh

Kassel. In der Nacht vom 22. auf den 23. Oktober 1943 ging das alte Kassel im Bombenhagel unter. Zum Jahrestag beleuchten wir eine bislang kaum bekannte Folge der Zerstörung.

Es sollte ein Höhepunkt und der Abschluss der Kasseler Musiktage von 1943 werden. Am 24. Oktober, einem Sonntag, war ein großes Konzert in der Martinskirche geplant. Doch von dem Gotteshaus im Zentrum der Stadt waren nur noch Ruinen übrig, die gesamte Altstadt lag nach dem verheerenden Bombenangriff vom 22. Oktober in Schutt und Asche.

Die Programmhefte zu den Kasseler Musiktagen waren zu diesem Zeitpunkt schon gedruckt. Der Sammler Lars Hofmann aus Schauenburg hat eines davon bei einer Internet-Auktion ersteigert und der HNA zur Verfügung gestellt. Das werfe doch noch mal ein neues Licht auf den Tag des Untergangs des alten Kassel, sagt der 45-Jährige.

Im Kino lief Münchhausen

In der Tat gab es in Kassel trotz vieler Angriffe und Zerstörungen im Vorfeld bis zur Bombennacht durchaus noch ein kulturelles Leben. Vom Theater am Friedrichsplatz bis zum Ufa-Kino, in dem am Abend der Bombennacht „Münchhausen“ lief, suchten die Menschen Unterhaltung und Ablenkung.

Standorte für Musiktage

Die Kasseler Musiktage sollten damals am Samstag, 23. Oktober, und am Sonntag, 24. Oktober, an vier Standorten stattfinden.

Neuwerk-Haus. In dem Haus an der Frankfurter Straße 37 (neben dem Schloss Bellevue) war damals eine Musikalienhandlung. Die gehörte zum Bärenreiter-Verlag von Karl Vötterle, dem Gründer der Kasseler Musiktage. Hier sollte eine Begleitausstellung zu den Musiktagen stattfinden. Das Gebäude wurde in der Bombennacht komplett zerstört und auch nicht wieder aufgebaut.

Mehr zur Bombennacht in Kassel finden Sie hier.

Heinrich-Schütz-Schule. In dem 1930 fertiggestellten Neubau der früheren Malwida-von-Meysenbug-Schule sollten gleich mehrere Konzerte stattfinden. Unter anderem war ein Auftritt des Stürmer-Trios aus Kassel geplant. Mit dabei Bruno Stürmer, der Vater des Historikers Michael Stürmer. Als Musiker am Violoncello ist im Programm Heiner Garff aufgeführt. Er ist der Vater des Kasseler Kabarettisten Karl Garff. In der Bombennacht wurde der Südflügel der Heinricht-Schütz-Schule getroffen.

Der Kasinosaal. Der Saal befand sich an der Wolfsschlucht 21, in der Nähe der heutigen Kasseler Sparkasse. Hier sollte am Samstag neue Kammermusik aufgeführt werden. Das Gebäude wurde in der Bombennacht zerstört.

Die Martinskirche. Mit Walter Kraft aus Lübeck war einer der besten Organisten des Landes für das Konzert in der Martinskirche vorgesehen. Bei dem Bombenangriff vom 22. Oktober dienten die Türme der Kirche als Zielmarke. Die Kirche wurde schwer getroffen und brannte aus. Der Wiederaufbau dauerte bis 1958.

Kasseler Musiktage 2016

Die Kasseler Musiktage gibt es auch 73 Jahre nach der Bombennacht noch. Sie finden vom 27. Oktober bis 6. November statt. Eröffnet werden sie in der nach dem Wiederaufbau 1958 erstmals komplett renovierten Martinskirche.

Weitere Spielorte, die teilweise ebenfalls von Bomben beschädigt wurden, sind der Südflügel des Kulturbahnhofs (damals Hauptbahnhof), die Alte Brüderkirche und das Ständehaus. Ein weiterer Spielort ist die Kirche St. Elisabeth von 1960. Deren Vorgängerbau stand an der Stelle des heutigen Staatstheaters und wurde im Krieg zerstört.

Das Programm finden Sie auf www.kasseler-musiktage.de

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