Er überstand die Bombennacht 1943: Der Druselturm wird 600 Jahre alt

Mitten in der Altstadt: Die Aufnahme aus dem Jahr 1912 zeigt den Druselturm, der damals noch vier Erker hatte. Nach der Bombennacht von 1943 wurde das Dach ohne Erker wieder aufgebaut. Fotos:  Stadtmuseum/nh

Dass der Druselturm nach 600 Jahren noch steht, grenzt an ein Wunder. In der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 ging rund um den Turm die Kasseler Altstadt im Feuersturm unter.

Der Druselturm wurde zwar beschädigt, blieb aber stehen. Heute ist außer ein paar Mauerresten und dem unteren Teil des Zwehrenturms von der alten Stadtbefestigung sonst nichts mehr übrig.

Im Jahr 1415 wurde der Turm zur Verstärkung der Stadtmauer und als Schutz für den Zufluss der Drusel gebaut. Der Bach ist Namensgeber für das 44 Meter hohe Bauwerk. Auf dem Druselplatz vor dem Turm befand sich früher ein Feuerlöschteich. Mehrfach am Tag wurde der Abfluss des Teichs geöffnet. Dann nahm das Wasser den Schmutz der Altstadt mit. Offene Wasserrinen am Straßenrand hat man früher überall in der Stadt Druseln genannt.

Der Druselturm war nicht nur Wehrturm, sondern auch ein besonders ungemütliches Gefängnis. Die Gefangenen wurden an Stricken in eine dunkle Öffnung im Boden herabgelassen.

Ohne Erker: Nach dem Wiederaufbau hat der Turm wieder ein schlichtes Dach. Foto:  Fischer/nh

Im Jahr 1905 wäre fast das Ende für den Druselturm gekommen. Ein Großfeuer zerstörte das hölzerne Innenleben und das Dach nahezu komplett. Damals hatte man unter anderem Holzkisten und Stroh in dem Turm gelagert. Die Brandursache wurde nie geklärt. Der Schaden durch das Feuer war so groß, dass der Abriss ersthaft zur Debatte stand. Die Kasseler Zeitung schrieb damals, dass es bei der Abstimmung darüber im Stadtparlament äußerst knapp zuging. Mit nur einer Stimme Mehrheit wurde für den Erhalt gestimmt.

In der Bombennacht ging das Dach des Turms in Flammen auf, die Mauern blieben aber stehen. Der Fotograf Walter Thieme hatte in dem Turm für einige Zeit sein Atelier. Mit einer selbstgebauten Kamera dokumentiert er das Leben in den Ruinen.

Zum 600. Geburtstag des Druselturms gibt es mehrere Führungen, die der Verein Vikonauten anbietet. Die finden am Samstag, 24. Oktober, und Sonntag, 25. Oktober, zwischen 14 und 18 Uhr statt. 

Informationen gibt es unter  www.kassel-total.de

Mehr Informationen zum Druselturm finden Sie in unserem Regiowiki.

Programm zum Jubiläumsfest

Zur Eröffnung am Samstag, 24. Oktober, beginnen die Feierlichkeiten auf dem Königsplatz. Der Chor Provocale und die Bläser von „Blech und Schwefel“ begleiten die Besucher der Veranstaltung dann zum Druselturm auf den Druselplatz.

Zur Einstimmung tragen sie ein für dieses Ereignis gedichtetes Lied vor. Nach einem Geburtstagsständchen am Turm wird exakt um 14.15 Uhr, als Parallele zum Baujahr 1415, erstmalig seit Langem die historische Zugangstür im ersten Stock geöffnet. Von dort, auf der Höhe des ehemaligen Wehrgangs um die Stadtmauer, werden Vertreter der Stadt und der beteiligten Institutionen ihre Glückwünsche aussprechen.

Das Programm am zweiten Festtag, Sonntag, 25. Oktober, beginnt um 15 Uhr direkt am Druselturm. An beiden Tagen endet das Programm um 18 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.

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