DVD "Min ahles Kassel" - Filmaufnahmen vom alten Kassel - Hier der Trailer

Kassel. Wer die DVD „Min ahles Kassel“ anschaut, taucht ein in eine verlorene Stadt. Zu sehen ist Kassel, wie es vor der großen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ausgesehen hat.

Hans Germandi weint, als er die Filmaufnahmen sieht. Sie zeigen Kassel vor der großen Zerstörung, seine alte Stadt, in der er aufgewachsen ist - und die im Bombenhagel vom 22./23. Oktober 1943 für immer unterging. Diese Szenen, die den 85-jährigen Stadthistoriker Germandi zu Tränen rühren, hat Oskar Feuerstein gedreht, damals Ingenieur bei den Fieseler Werken Kassel und leidenschaftlicher Amateurfilmer. Vermutlich im Jahr 1938 ist er mit seiner Kamera durch Kassel gezogen.

Mehr zu diesem Thema finden Sie in unseren Bombennacht-Spezial.

Bevor Oskar Feuerstein 1973 starb, vermachte er die historischen Aufnahmen seiner Tochter Elke Spitzer. Und sie brachte das Material aufgrund des Betreibens von Ralph Raabe wieder ans Tageslicht, Betreiber des Club ARM an der Werner-Hilpert-Straße und an der Historie Kassels interessiert. Elke Spitzer hat uns die Szenen zur Verfügung gestellt. Und so ist die DVD „Min ahles Kassel - Erinnerungen an eine verlorene Stadt“ entstanden.

Kassel vor der Zerstörung: Bilder aus der Innenstadt

Kassel vor der Zerstörung: Bilder aus der Innenstadt

„Min ahles Kassel“ - damit ist auch das alte Kassel von Hans Germandi gemeint. Als Zeitzeuge kommentiert der Kasseläner einige Szenen der HNA-DVD und erzählt von seinen Erinnerungen. Beispielsweise von einem Reichskriegertag: „Da kamen von ganz Deutschland die alten Krieger nach Kassel (...), was meinen Sie, was da los war: In der Altstadt gab es Häuser mit den leichten Mäderchen, (...) die haben da Schlange gestanden, die alten Soldaten.“

Weitere Infos zum Thema gibt es in zahlreichen Artikeln im Regiowiki.

An diesem Reichskriegertag filmte Feuerstein unter anderem das Rathaus, an dem Dutzende Hakenkreuzfahnen hingen - die Zeichen derer, die im Endeffekt für die Zerstörung der Stadt verantwortlich waren. Auch in die verwinkelten Gassen der Altstadt, von denen so gut wie nichts übrig blieb in der Bombennacht, ging Feuerstein mit seiner Kamera. Die urigen Fachwerkhäuser fing er dort ein, darunter auch das Haus an der Wildemannsgasse, in dem die Brüder Grimm einmal wohnten.

Oskar Feuerstein (1902 - 1973)

Nicht nur die Schönheit der mittelalterlichen Altstadt, sondern auch ihre Enge ist auf manchen Bildern, die Feuerstein in den Gassen gedreht hat, zu erahnen. Nahe der Altstadt stand der Prachtbau des preußischen Staatstheaters, der ebenfalls im Film zu sehen ist - und mit ihm die Straßenbahn, die damals noch direkt vor dem Theater hielt. Das Schloss Wilhelmshöhe wird gezeigt, das noch eine große Kuppel hatte, und der offene Marställer Platz neben dem imposanten Regierungsgebäude.

Luftbilder von Kassel aus den Jahren 1935 und 1939

Kassel vor der Zerstörung: Luftbilder vom alten Kassel aus den Jahren 1935 und 1939

Die Bilder von Oskar Feuerstein und die Erzählungen des Kasselhistorikers lassen einen in das alte Kassel eintauchen - und verstehen, warum Hans Germandi ab und zu eine Träne über die Wange rollt, wenn er von der alten Zeit im alten Kassel erzählt.

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Die DVD „Min ahles Kassel - Erinnerungen an eine verlorene Stadt“ von Oskar Feuerstein und Andreas Berger ist in allen HNA-Geschäftsstellen erhältlich. Der Erlös geht an die Aktion Advent. (abg)

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