171 Kreuze erinnern an 3000 Tote

Bombenopferfeld auf dem Hauptfriedhof wurde für 60.000 Euro saniert

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Wieder im ursprünglichen Zustand: Die Staudenbeete rund um die 171 Steinkreuze auf dem Bombenopferfeld des Hauptfriedhofs sind verschwunden. Die Anlage wurde für 60.000 Euro saniert.

Kassel. Das größte Kasseler Bombenopferfeld auf dem Hauptfriedhof wurde für 60.000 Euro saniert und umgestaltet. Die seit Mai laufenden Arbeiten wurden rechtzeitig zum 71. Jahrestag der Bombardierung Kassels, die am 22. Oktober 1943 stattfand, abgeschlossen.

Nun sieht die Gedenkstätte wieder so aus, wie sie ursprünglich in den 50er-Jahren angelegt worden war, sagt Jürgen Werner von der Friedhofsverwaltung.

Die Gedenkstätte mit 171 Steinkreuzen, die an insgesamt 3000 Tote erinnern, hatte in den vergangenen Jahren durch die Witterung stark gelitten. Nicht nur die Kreuze, sondern auch Gehwegplatten und eine Treppenanlage waren beschädigt. Der rote Wesersandstein, aus dem die Anlage gebaut ist, sei eher empfindlich, sagt Werner. Über die Jahrzehnte waren auch mehrere Kreuze durch Wurzeln weggedrückt und verschoben worden, sie mussten neu fundamentiert werden.

Die optisch auffälligste Veränderung ist aber, dass die Staudenbeete auf dem Gräberfeld verschwunden sind. Stattdessen sprießt dort nur noch Rasen. „Die Stauden hatten die Kreuze zum Teil verdeckt. Die jetzige Lösung passt besser zur Anlage. Die Gestaltung sollte sich dem Zweck des Gedenkens unterordnen“, sagt Werner. So, wie die Anlage jetzt aussehe, sei auch ihre ursprüngliche Gestaltung gewesen. 1953 war das Bombenopferfeld geplant worden. Bis dahin gab es keine gemeinsame Gedenkstätte für die Toten.

Die Kosten für die Sanierung hat größtenteils das Land übernommen, das für die Kriegsgräberpflege zuständig ist. Nur 5000 Euro musste die Stadt zuschießen.

Zum gestrigen Jahrestag der Bombennacht kamen nur wenige Kasseler im strömendem Regen auf den Hauptfriedhof, um am Bombenopferfeld den Toten zu gedenken. Zur Kranzniederlegung hatten die Stadt und der Volksbund Kriegsgräberfürsorge eingeladen. Am Abend fand ein Gottesdienst in der Martinskirche statt.

Beim alliierten Luftangriff auf Kassel am 22. Oktober 1943 starben über 10.000 Menschen, etwa 80 Prozent der Stadt wurden zerstört.

Von Bastian Ludwig

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