Experten tauchen in der Aue

Bombensuche in der Kasseler Karlsaue: Seit 2014 schon 500 Blindgänger geborgen

Teil der Gleise der Buga-Bahn: Taucher Guido König mit dem Schrott-Fund.

Kassel. Die Karlsaue ist um eine Attraktion reicher: Experten tauchen in den Gewässern des Parks nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg.

Das ungewohnte Schauspiel zieht neugierige Blicke der Besucher auf sich. Noch bis zur documenta im Juni sind die Taucher damit beschäftigt, 750 Verdachtsstellen unter Wasser zu überprüfen. Diese waren im Vorfeld durch eine Sondierung ausfindig gemacht worden.

Die Aktion ist Teil der groß angelegten Bombensuche in der Karlsaue und dem Bergpark, die seit drei Jahren läuft. Vor allem die Karlsaue wurde im Krieg von einem Bombenteppich überzogen. So wurden allein dort seit dem Start der Räumung im Jahr 2014 ungefähr 500 Blindgänger geborgen. Hinzu kommen nochmal rund 250, die im Bergpark aus dem Boden geholt wurden. In den meisten Fällen handelte es sich um Brandmunition, wie etwa Stabbrandbomben.

Wachsende Gefahr

Die über 70 Jahre alte Weltkriegsmunition wird zunehmend zur Gefahr. Wenn Langzeitzünder rosten, können Bomben unkontrolliert explodieren. Die Suche im Wasser sei eine große Herausforderung, sagt Winfried Bieker, der im Auftrag des Kampfmittelräumdienstes des Landes für die Räumung in den Parks verantwortlich ist. Denn die Sicht in den Gewässern sei gleich Null, die Taucher müssten alles ertasten.

Nur gut einen Meter tief: Taucher Thomas Sticherling von der Firma Hirdes aus dem brandenburgischen Teltow im Hirschgraben in der Karlsaue. 

Untersucht werden in der Karlsaue der Küchen- und der Hirschgraben, der Aueteich mit der Schwaneninsel und die Wasserfläche rund um die Blumeninsel Siebenbergen. Aber nicht nur die schlechte Sicht im sechs Grad kalten Wasser erschwert die Suche nach der Munition. Die Blindgänger stecken in bis zu 60 Zentimeter tiefem Schlamm oder gar in der noch tieferen Tonschicht, die die Becken von unten abdichtet. Die Experten gehen mit einer Sonde in das ein bis 1,20 Meter tiefe Wasser, um die genaue Position der metallischen Gegenstände zu bestimmen. Allein durch Erfühlen können sie feststellen, um welche Munition es sich handelt oder ob sie schlicht auf Metallschrott gestoßen sind. Auch davon liegt eine Menge im Wasser: So wurden Einkaufswagen, Fahrräder und Regenschirme aus dem Wasser gefischt. Auch Schienenteile der Buga-Bahn, die zur Bundesgartenschau 1981 durch die Karlsaue fuhr, lagen am Grund. Stoßen die Taucher auf Munition, wird sie an die Wasseroberfläche geholt und entsorgt. Nur in heiklen Fälle müsste sie unter Wasser gesprengt werden.

Der Taucher wird bei seiner Arbeit von einem Helfer begleitet. Ein weiterer Mitarbeiter steht über Funk mit dem Taucher in Kontakt und lotst ihn zu den Verdachtsstellen. Bis zu einer Stunde bleiben die Taucher im Wasser. Dann schlüpfen sie wieder aus ihrer 40 Kilo schweren Ausrüstung.

Die Untersuchung ist auch nötig, weil im Herbst die Wasserflächen ausgebaggert werden. Über die Jahre sind sie verschlammt. Auch die Gewässer im Bergpark, darunter der Lac, sollen noch untersucht werden. Ursprünglich sollte die Bombensuche in den Parks bis 2019 beendet sein – sie wird aber länger dauern. Die Gesamtkosten konnte die Museumslandschaft Hessen-Kassel gestern nicht beziffern.

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