Vorläufiges Happy End

Corona-Streit um Bootshaus: „Die Stadt ist komplett zurückgerudert“

„Chill & Grill“-Veranstaltung am Bootshaus am Auedamm in Kassel.
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„Chill & Grill“-Veranstaltung am Bootshaus am Auedamm in Kassel.

Vorläufiges Happy End im Corona-Streit zwischen dem Bootshaus und der Stadt Kassel. Die Betreiberin darf nun doch wieder Musik spielen. Trotzdem gibt es wieder Ärger.

Kassel – Sechs Wochen lang hat Josefa Sütterlin dafür gekämpft, wieder Musik abspielen zu lassen in ihrem Bootshaus. Mitte August hatte die Stadt Kassel der Betreiberin der Gaststätte am Auedamm dies verboten. Ihre „Chill & Grill“-Veranstaltungen mit DJs wie Chilly-T waren damit untersagt. Nun gibt es für sie ein vorläufiges Happy End.

Die Rathausbehörde hat ihren Bescheid aufgehoben und dem Widerspruch recht gegeben, den Sütterlins Anwalt Alexander Schneehain eingelegt hatte. Damit muss die Stadt auch die Kosten des Verfahrens tragen. „Sie ist komplett zurückgerudert“, sagt Schneehain: „Das ist eine gute Nachricht.“ Es ist aber noch nicht das Ende eines ungewöhnlichen Streits, der viele verwundert hat. Kritiker hatten kein Verständnis dafür, dass die Stadt eine Veranstaltung unter freiem Himmel, mit einer überschaubaren Besucherzahl und einem Hygienekonzept untersagt hatte.

Rechtsanwalt Schneehain hatte vergeblich um Gespräche mit den zuständigen Behördenmitarbeitern gebeten und ist immer noch verärgert: „Die Stadt hat sechs Wochen gebraucht, um diesen sehenden Auges rechtswidrigen Bescheid aufzuheben. Sechs Wochen, in denen bestes Wetter herrschte und es unserer Mandantin verwehrt war, die ,Chill & Grill’-Veranstaltungen durchzuführen.“ Zudem seien er und seine Mandantin bis gestern von der Stadt nicht über die Rücknahme des Bescheids informiert worden. Das habe erst das Verwaltungsgericht getan.

Schneehain findet das „ein unmögliches Vorgehen der Verwaltung gegenüber einem Gewerbesteuerzahler. Wären wir früher informiert worden, hätte das Bootshaus für dieses Wochenende schon planen können.“ Warum die Stadt ihren Bescheid nicht früher zugestellt hatte, erklärte sie auch gegenüber der HNA nicht. Auch die Frage, wieso sie Musik am Bootshaus zunächst verboten und nun doch wieder erlaubt hat, blieb unbeantwortet. Ein Sprecher erklärte aber: „Der Stadt geht es darum, dass die Regelungen der Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung umgesetzt und eingehalten werden.“

Dazu zählt auch ein Tanzverbot. Mitarbeiter des Ordnungsamtes hatten bei der bislang letzten Veranstaltung auf der Wiese des Bootshauses am 15. August gesehen, wie sechs Gäste vor der Bühne tanzten. Die Betreiberin bestreitet dies. Darum ist beim Verwaltungsgericht Kassel ein zweites Verfahren anhängig, über das am Montag entschieden werden soll.

Das Gericht muss dann wohl auch die Frage klären, wann ein Tanz ein Tanz ist. Etwa auch dann, wenn sich jemand auf dem Weg zur Toilette rhythmisch bewegt. Schneehain schlägt vor, „Tanzwächter“ aufzustellen, die die Gäste ermahnen könnten, falls der Abstand nicht eingehalten wird.

Sütterlin freut sich derweil auf das nächste „Chill & Grill“ Morgen wird ab 16 Uhr Betty Ford auflegen. Veranstaltungen bis Ende Oktober sollen folgen. (Von Matthias Lohr)

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