Blutsauger lauern in Wald und Wiesen

Borreliose-Erkrankung nach Zeckenbiss: Ein Betroffener erzählt

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Kleine Wunde, große Probleme: Förster Wolfgang Schmidt zeigt auf die Stelle seines jüngsten Zeckenstiches.

Kassel. Wolfgang Schmidt kennt sich in den Wäldern und Wiesen rund um Kassel so gut aus, wie kaum jemand anderer. Kein Wunder, schließlich ist der 58-Jährige der Revierförster des Habichtswaldes. Außerdem bildet er seit vielen Jahren künftige Jäger aus.

Doch auch das verschonte Schmidt nicht davon, von einer Zecke gestochen zu werden und sich mit der Krankheit Borreliose zu infizieren.

Erstmals gestochen wurde der Förster aus Leidenschaft vor circa 25 Jahren. Die Zecke saß oberhalb der Lenden im Rippenbereich und wurde erst einige Tage später entfernt, als Schmidt ein Jucken verspürte. Als einige Zeit danach rheumatische Beschwerden auftraten, begann für den 58-Jährigen eine Qdyssee. Unzählige Untersuchungen, Besuche bei unterschiedlichen Ärzten und ein Jahr Zeit später erfolgte die Diagnose. Seitdem kämpft der Natur- und Tierliebhaber mit rheumatischen Beschwerden, Schlaflosigkeit, Schweißausbrüchen und Bluthochdruck.

Beschwerden in Schüben

Die Beschwerden treten in unregelmäßigen Abständen und so genannten Schüben auf, letztmals vor einem halben Jahr, sagt Schmidt. Da die klassische Behandlung mit Antibiotika bei ihm nicht den erhofften Erfolg brachte, kam er auf die alternative Methode der Behandlung mit Eigenblut. Das eigene Blut wird mit Eisen angereichert. Der Körper bildet dann Antikörper, die gegen die Borrelien ankämpfen. Erst diese Behandlungsform verschaffte Schmidt eine Verbesserung seines Gesundheitszustandes.

Dennoch: 20 von den insgesamt 50 Prozent seiner anerkannten Schwerbehinderung sind der Borreliose geschuldet. Der damalige Stich und die daraus resultierende Borreliose sind als Berufsunfall ebenfalls anerkannt. Nicht nur aus eigener Erfahrung versucht der Revierförster angehende Jäger während der Ausbildung für die Gefahren durch Zecken zu sensibilisieren. Das Fachgebiet Tierkrankheiten gehört ohnehin zum Ausbildungsprogramm. In seinem praxisbezogenen Unterricht weist Schmidt die Teilnehmer immer wieder auf richtige Kleidung und entsprechendes Verhalten hin.

Stichwort: Was ist Borreliose?

Die Borreliose wird von einem spiralförmigen Bakterium, dem „Borrelia burgdorferi“, ausgelöst. Sie ist die häufigste durch Zecken übertragbare Erkrankung in Deutschland. Bekannt ist die Krankheit, die nach dem französischen Bakteriologen Amédée Borrel benannt wurde, schon seit mehr als 100 Jahren.

Man entdeckte aber erst 1982, dass sie durch Bakterien ausgelöst wird, die von Zecken übertragen werden. Gegen Borrelien gibt es keine Abwehrmittel und auch keine Immunität.

Man kann sich mehrfach infizieren und auch mehrere Borreliosen verschiedener Stadien gleichzeitig haben. Es gibt derzeit in Europa keine Impfung gegen Borreliose.

Von Nicolai Ulbrich

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