Jochen Braun, Dozent an der Universität in Kairo, kehrt vorerst nach Kassel zurück

Botschaft organisiert Flüge

Wartet in Kairo auf einen Flug: Jochen Braun Foto: nh

Kassel. Vergangene Woche gaben sich die in Kairo lebenden Kasseler angesichts der Unruhen in der Stadt noch entspannt. Jetzt kehrt der erste nach Kassel zurück.

„Es ist nicht so, dass ich Angst um mein Leben habe“, sagt Jochen Braun (28), dessen Eltern in Baunatal leben, „doch die Familie macht sich Sorgen um mich, und man weiß auch nicht, wie die Sache sich weiter entwickelt.“ Der Dozent an der Deutschen Universität in Kairo war gestern Morgen bei der Deutschen Botschaft und hat sich auf eine Warteliste für Rückflieger setzen lassen. Da Kairo zurzeit kaum noch von Fluggesellschaften angeflogen werde, wolle die Botschaft Flüge organisieren. Mit großer Wahrscheinlichkeit bekomme er am Dienstag einen Rückflug.

Nach dem Botschafts-Besuch ist er zum Tahrir-Platz im Zentrum gegangen, auf dem bisher die größten Demonstrationen stattfanden. Dort sei alles ruhig gewesen, sagt Braun, wie überhaupt die Lage etwas entspannter sei, seit das Militär die Demonstrationen regelt. Die Polizei sei für die Demonstranten ein Repräsentant des verhassten Machtapparats, das Militär genieße Respekt. „Ich habe gesehen, wie Demonstranten und Soldaten sich ganz normal unterhalten haben“, sagt Braun, der im Stadtteil Zamalek auf der Insel Gezira lebt, einer von zwei zur Millionenstadt gehörenden Inseln im Nil.

Polizisten plündern

Auch dort gebe es seit ein paar Tagen Nachbarschafts-Patrouillen, die aufpassen, dass nicht geplündert wird. „Die grüßen freundlich. Ich fühle mich nicht von ihnen bedroht.“ Überhaupt wisse man nie, was an Geschichten über die angeblichen Gewalttaten von Demonstranten stimme und was nicht. So seien unter den Plünderern Polizisten ausgemacht worden, deren Aufgabe es war, der Bevölkerung vorzuführen, welche Anarchie drohe, wenn der Staatsapparat nicht mehr funktioniert.

Der Lehrbetrieb an der Universität ist bis zum 15. Februar eingestellt. Sobald die Lage etwas stabiler ist, will Braun wieder nach Kairo fliegen.

Der Kasseler Thomas Huth, im Touristenzentrum Hurghada lebender Manager des Steigenberger Al Dau Ressorts, war gestern nicht zu erreichen. Ein Mitarbeiter sagte jedoch, dass es in Hurghada nach wie vor ruhig sei. Es gebe keine Anzeichen, dass es zu Unruhen kommen könne. Hurghada sei sehr weit von Kairo entfernt.  Mehr zum Thema Ägypten auf unseren Politik-Seiten.

Von Wilhelm Ditzel

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