Informatiker der Uni Kassel entwickeln virtuelle Arena für Feuerwehr-Übungen

Brände löschen in 3D: Uni Kassel entwickelt virtuelle Arena

Kassel. Waldbrand am Herkules oder Unfall auf der A7: Viele Feuerwehreinsätze lassen sich nur schwer realitätsgetreu trainieren. Deshalb entwickeln Informatiker der Uni Kassel jetzt eine Computersimulation für ehrenamtliche Wachen, um verschiedene Einsätze online trainieren zu können.

„Es geht nicht darum, den Griff am Schlauch zu üben. Das geht in der Realität besser“, sagt Prof. Dieter Wloka, Projektleiter am Fachgebiet Technische Informatik. Vielmehr werde durch das Projekt KATIE („Katastrophen, Avatare, Technische Simulation in virtuellen Environments“) das Zusammenwirken einzelner Funktionsträger an originalgetreuen Schauplätzen geübt.

„Auf den ersten Blick ähnelt die Oberfläche der eines 3D-Abenteuers auf einer Spielkonsole“, sagt der 57-Jährige. Statt einen Schatz zu finden, bestehe die Aufgabe jedoch darin, nach Dienstvorschrift und Lehrplan beispielsweise einen Brand zu bekämpfen. Damit KATIE so realistisch wie möglich ist, werden die Teilnehmer durch digitale Stellvertreter (Avatare) repräsentiert und können im Spiel interagieren.

Dieter Wloka

Wlokas Team arbeitet mit Brandschutz-Experten und dem Kreisfeuerwehrverband Fulda zusammen. Dieses Wissen übertragen die Informatiker auch auf die Fähigkeiten der Avatare, indem sie sämtliche Bewegungen und feuerwehrtypischen Handgriffe selbst einspielen. So schlüpfen die Forscher in einen Spezialanzug mit Bewegungssensoren und filmen sich mit verschiedenen Kameras. Mithilfe dieses sogenannten Motion-Capture-Verfahrens kann der Computer sämtliche Aktivitäten auf den jeweiligen Benutzer dreidimensional umwandeln.

Frank Poschner

Im Unterschied zu herkömmlichen Feuerwehr-Schulungsprogrammen können die Kasseler Informatiker 3D-Umgebungen nach Wunsch programmieren. „Es kann also ganz konkret oben am Herkules, im Diakonissen-Krankenhaus oder auf dem Friedrichsplatz trainiert werden“, sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter Frank Poschner, „die Schauplätze sind beliebig austauschbar“.

Das erste Einsatz-Szenario ist bereits fertig programmiert. Dazu gibt’s einen passenden E-Learning-Kurs zur jeweiligen Dienstvorschrift. Im Februar wird die Fuldaer Feuerwehr das Projekt erstmals in der virtuellen 3D-Arena des Fachgebiets testen. Wloka wünscht sich aber noch mehr Probanden aus der Praxis: „Gegen Feedback überlassen wir freiwilligen Feuerwehren kostenlos unser Programm.“ Langfristiges Ziel sei es, sämtliche denkbaren Einsätze zu simulieren.

Eine Demo-Version zum Runterladen unter

www.katie-katastrophensimulation.de, mehr Infos per E-Mail: info@katie-katastrophensimulation.de

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