Brand in Leipziger Straße: Wie zwei Männer zu Rettern in der Not wurden

Ohne sie wäre der Nachbar vielleicht nicht mehr am Leben: Markus Hellinger (links) und Danny Mertens haben den 73-Jährigen aus seiner brennenden Wohnung geholt. Foto: Rudolph

Kassel. Ohne das beherzte Eingreifen von zwei Männern wäre der Brand in der Leipziger Straße für einen 73-Jährigen Bewohner wohl schlimmer ausgegangen: Die beiden waren es, die den Mann am Dienstag aus einer brennenden Wohnung ins Freie retteten. Nun berichten sie über die dramatische Aktion.

Die Fenster im Hausflur und in der Brandwohnung stehen noch offen, um den stechenden Geruch zu vertreiben. Ansonsten ist in dem Mehrfamilienhaus an der Leipziger Straße, in dem es am Dienstagnachmittag gebrannt hat, wieder Ruhe eingekehrt.

Der 73-Jährige, in dessen Wohnung es gebrannt hatte, ist zwar noch im Krankenhaus. Er erlitt eine Rauchgasvergiftung durch den Brand, der in seinem Badezimmer ausgebrochen war. Ohne das beherzte Eingreifen seines Nachbarn Danny Mertens und des Hausmeisters Markus Hellinger wäre der Brand für ihn aber wahrscheinlich viel schlimmer ausgegangen.

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Danny Mertens hatte am Nachmittag einen leichten Brandgeruch im Haus bemerkt. „Erst dachte ich, jemand verbrennt was im Ofen“, sagt der 23-Jährige. Weil ihm die Sache komisch vorkommt, geht er alle acht Wohnungen ab und riecht an den Türen. An der Wohnung im ersten Stock kommt Rauch durch die Türritze, als er dagegendrückt. „Da habe ich schon ein bisschen Panik gekriegt“, sagt der junge Mann. Er rennt nach oben zu Hausmeister Markus Hellinger und hämmert an die Tür.

Rauch kommt durch die Türritzen

Brandort Leipziger Straße: Hier brannte es am Dienstag - dank des beherzten Eingreifens von zwei Männern konnte ein 73-Jähriger gerettet werden.

Der Hausmeister eilt mit dem Nachbarn zur Brandwohnung und tritt die Tür ein. Dichter Rauch schlägt den beiden Männern entgegen. Hinter der Wohnungstür finden sie den kaum noch ansprechbaren 73-Jährigen, Hellinger zieht ihn heraus auf den Hausflur. Danny Mertens ruft die Feuerwehr, der Hausmeister drückt sich das T-Shirt gegen den Mund und geht noch mal in die Wohnung, dann eilt er in den Keller, um das Gas abzustellen. „Ich habe versucht, ganz ruhig zu bleiben, wenn man hektisch wird, macht man Fehler“, sagt der 43-jährige Familienvater.

Mertens klingelt in der Zwischenzeit alle Nachbarn raus, damit sie sich in Sicherheit bringen können. In dem Haus wohnen über 20 Menschen, darunter viele Kinder. Ihr mutiges Eingreifen finden die beiden Männer selbstverständlich - zumal es eine gute Hausgemeinschaft gebe.

„Mir ist das Wichtigste, dass ich ein reines Gewissen habe und ihm helfen konnte“, sagt Hellinger, „als Hausmeister bin ich ja auch dazu da, den Leuten zu helfen.“ Den 73-Jährigen wollen die Nachbarn jetzt im Krankenhaus besuchen.

Die Ursache des Brandes steht laut Polizei noch nicht fest. Der Schaden wird mit 30 000 Euro beziffert.

Von Katja Rudolph

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