55-Jähriger bestreitet, Feuer an Auto gelegt zu haben

Brandattacke nach Beziehungs-Aus?

Kassel. Weil er versucht haben soll, mit Plastikbeuteln voller Benzin, Grillanzündern, Lunten und Kerzen zeitverzögert einen Brand an einem Auto zu legen, muss sich seit Dienstag ein 55-jähriger Kasseler vor dem Amtsgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat die Vorkommnisse vom April 2012 als versuchtes Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion sowie als Sachbeschädigung eingestuft.

Anschlag aus Eifersucht

Der damals erheblich beschädigte, sportliche Wagen gehört dem neuen Lebensgefährten einer Exfreundin des Angeklagten. Der 55-Jährige habe diese neue Beziehung nicht gebilligt, heißt es in der Anklageschrift.

Der Angeklagte selbst erklärte gestern, er habe mit der Sache nichts zu tun: „Ich habe nicht gezündelt.“ Eines Tages sei die Polizei mit einem Durchsuchungsbefehl bei ihm aufgetaucht. So habe er von einem angezündeten Auto erfahren.

Am fraglichen Abend und in der fraglichen Nacht sei er erst ausgegangen, habe anschließend noch spät zu Hause im Internet den „Tatort“ angesehen und sei dann schlafen gegangen. Am nächsten Morgen sei er früh aufgestanden, um einen Sprachkurs zu besuchen.

Als möglichen Tatverdächtigen ins Spiel gebracht hatten den 55-Jährigen offenbar der neue Partner der Exfreundin und diese selbst. Beide berichteten als Zeugen, dass der Angeklagte der Frau nachgestellt habe. Sie selbst und auch Nachbarn hätten ihn immer wieder „im Gebüsch“ gesehen, wie er ihr Haus beobachtete.

Auch von belästigenden Briefen, SMS, E-Mails und Anrufen war die Rede. Nach einer Beratung der Polizei habe sie Tagebuch dazu geführt, sagte die Zeugin. „Ich möchte einfach nur, dass dieser Spuk aufhört“, betonte sie. Was in der Garage passiert sei, halte sie für eine „logische Folge des Stalking“.

Weitere Zeugen zu den Nachstell-Vorwürfen wurden nicht gehört. Denn im Prozess geht es nur um die Sache mit dem Auto. Er habe für den Wagen nur über die vorgeschriebene Haftpflichtversicherung verfügt und müsse nun selbst die Kosten für die Instandsetzung aufbringen, berichtete der Besitzer gestern. Er fordert Schadenersatz vom Angeklagten.

DNA-Spur als Beweis

Den 55-Jährigen bringt offenbar auch eine DNA-Spur mit der Brandlegung in Verbindung. Den Erörterungen im Prozess zufolge stammt diese Spur von einem Gummiband, mit dem einer der Beutel verschlossen war. Der Angeklagte erklärte, im Umfeld seiner Expartnerin finde sich vermutlich noch einiges Material mit seiner DNA. Die Speichelprobe für den Test habe der Angeklagte ohne Probleme abgegeben, berichtete ein Kriminalbeamter dem Gericht.

Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt. (kaj)

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