Feuerübungen in Stadt und Landkreis Kassel

Brandschutz in Behindertenwerkstätten wichtiges Thema

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Brandschutz in Behindertenwerkstätten wichtiges Thema

Kassel. Oliver Pick ist noch immer erschüttert über die verheerende Brandkatastrophe im Schwarzwald. „Wir üben zwar oft den Ernstfall, doch was bei einem Feuer wirklich passieren könnte, ist kaum auszudenken“, sagt der Leiter der Baunataler Werkstätten.

Der Brandschutzbeauftragte der Einrichtung, Mark Bornhage, übt derzeit mit hauptamtlichen Mitarbeitern und behinderten Beschäftigten beispielsweise den Umgang mit Feuerlöschern. Alle Beteiligten sollen auf einen Notfall möglichst gut vorbereitet sein.

Dazu gehört es, die einzelnen Fluchtwege und die drei Sammelstellen auf dem Gelände zu kennen. Jede Gruppe übe regelmäßig die Evakuierung des Gebäudes. „Behinderte Beschäftigte, die fit sind, helfen dabei auch anderen, und das funktioniert gut“, sagt Bornhage.

Der Zugführer und Ausbilder bei der Feuerwehr Hofgeismar hat kürzlich eigens ein Schulungskonzept erarbeitet, nachdem nicht nur Mitarbeiter und Betreuer, sondern auch behinderte Beschäftigte bis Ende des Jahres an allen Standorten als Brandschutzhelfer in Behinderteneinrichtungen ausgebildet werden sollen.

In den Jahren 2007 / 2008 seien in den Baunataler Werkstätten im Rahmen der Grundsanierung die Brandschutzanlagen modernisiert und erneuert worden, erläutert der Vorstandsvorsitzende der Baunataler Diakonie Kassel, Pfarrer Joachim Bertelmann. Bei allen Sanierungen und Umbauten würden neueste Brandschutzanlagen eingebaut: zentrale Brandmeldeanlagen, Brandschutztüren, die bei einem Feueralarm automatisch schließen, und Rauchgasabzüge, die automatisch öffnen, um betroffene Gebäudeteile möglichst schnell rauchfrei zu bekommen.

Man arbeite ständig und in allen Einrichtungen weiter an Verbesserungen des Brandschutzes. Zudem überprüfe der TÜV alle drei Jahre den technischen Brandschutz, und Bauaufsicht sowie Brandschutzamt kämen etwa alle fünf Jahre in die Einrichtungen.

1430 Beschäftigte mit Handicap und 1400 hauptamtliche Mitarbeiter sind bei der Baunataler Diakonie in insgesamt zehn Werkstätten in Nordhessen (zum Beispiel in Hofgeismar, Calden, Malsfeld und Zierenberg) beschäftigt. Alle diese Einrichtungen seien ebenerdig und deshalb im Notfall schnell zu evakuieren.

Gleiches treffe auf die Kasseler Werkstätten zu, sagt der Vorstandsvorsitzende der Sozialgruppe Kassel, Gerald Reißmann. Auch hier würden regelmäßig Schulungen für die Mitarbeiter eingeplant, es gebe einen engen Kontakt mit der Feuerwehr. Auch bei den Kasseler Werkstätten, die 520 behinderte Beschäftigte und 260 hauptamtliche Mitarbeiter zählen, sind die Brandmeldeanlagen direkt mit der Feuerwehr verbunden. „Innerhalb weniger Minuten ist die Feuerwehr da“, schildert Reißmann die Erfahrungen von Übungen und Fehlalarmen. Den Notfall wird es hoffentlich nie geben.

Hintergrund: Gefährliches Rauchgas

Für den Tod von Brandopfern ist fast immer eine Rauchgasvergiftung verantwortlich. Ursache ist dabei häufig das farb- und geruchlose Gas Kohlenmonoxid (CO). Wird das giftige Gas eingeatmet, kann es innerhalb von Minuten die Sauerstoffversorgung blockieren. Kohlenmonoxid bindet sich am roten Blutfarbstoff Hämoglobin, der dann keinen Sauerstoff mehr transportieren kann.

Herz und Gehirn bekommen nicht mehr genug Sauerstoff, die Opfer werden zunächst gleichgültig und nehmen die Gefahr nicht wahr. Ist der Blutfarbstoff zu 20 Prozent mit Kohlenmonoxid angereichert, kann das Urteilsvermögen beeinträchtigt sein. Bleibt das Opfer dem Gift ausgesetzt, kollabiert der Kreislauf.

Die Muskulatur verkrampft und der Atemstillstand führt zum Tod. Opfer einer Rauchgasvergiftung müssen an die frische Luft gebracht und mit Sauerstoff beatmet oder in einer Druckkammer behandelt werden. (lhe/hei)

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