In drei Mehrfamilienhäusern in der Nordstadt brannte es am Samstagfrüh - Menschen haben Angst

Brandserie in Kassel: "Das muss doch ein Verrückter sein"

Kassel. Die Angst vor dem Feuerteufel geht um. In dem Mehrfamilienhaus an der Ysenburgstraße 60 hat er schon zugeschlagen. Im Hausflur wurden in der Nacht zu Samstag ein Kinderwagen und ein Fahrrad angesteckt. Am Mittag danach zeugt eine ausgefressene und verkohlte Fläche an der Wand noch vom Feuer. „Wer macht sowas? Das muss doch ein Verrückter sein.“

Das sagt Chahinaz Ekutt und schüttelt den Kopf. Die 24-Jährige, die mit ihren Eltern und Geschwistern im Erdgeschoss des Hauses wohnt, war in der Nacht aus dem Fenster gesprungen, um sich in Sicherheit zu bringen.

Brand-Serie in der Kasseler Nordstadt

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Mit der Feuerwehrleiter wurde Hasan Kirazli aus dem Fenster gerettet. Der 62-Jährige lebt im zweiten Stock eines Mehrfamilienhauses an der Holländischen Straße, in dessen Keller es am Samstag um 5.50 Uhr brannte. Er war von dem stechenden Geruch aufgewacht. „Als ich die Wohnungstür geöffnet habe, um nachzusehen, schlug mir dichter Rauch entgegen.“ Seine Wohnung stinke seitdem unerträglich.

Auch Strom und Gas hatten die etwa 20 Bewohner des Hauses nach dem Feuer nicht mehr. Die Zufuhr musste wegen der Schäden im Keller abgestellt werden. Im Laufe des Samstags wurde der Strom wieder angestellt, teilten die Städtischen Werke am Sonntag mit. Bevor wieder Gas auf die Anlage gegeben werden dürfe, müsse aber ein Installateur sicherstellen, dass es kein Leck gibt.

Wer macht so etwas? Yasmin Matter (von links) ihre Freundin Diana Nesterova, Dina und Dalal Elkutt und (vorne) Katja Youkhanna schauten sich am Samstagmittag die Brandstelle im Flur des Hauses an der Ysenburgstraße an.

Bewohnerin Srbuhi Bazeyan hatte sich am Samstagmittag schon einen Gaskocher besorgt. „Ich brauche Kaffee!“ Angst habe sie keine, sagt die 52-Jährige, die aus Armenien stammt. Mehr Sorge machte sich sich, dass ohne Strom die Lebensmittel im Kühlschrank verderben.

„Man hat schon Angst - allein wegen der Kinder“

Nur einen Steinwurf vom Brandort an der Holländischen Straße entfernt ist der Altbau an der Ludwigstraße, in dem auch viele Studenten wohnen. Dort hatte um halb 3 Uhr der Keller gebrannt. Jessica Reka sitzt der Schrecken noch in den Knochen. „Ich konnte die ganze Nacht nicht mehr schlafen und weiß auch nicht, ob ich heute ein Auge zutun kann“, sagt die vierfache Mutter. „Man hat schon Angst - allein wegen der Kinder.“

Die wuseln am Tag nach dem Brand im Garten herum und lugen immer wieder durch ein geöffnetes Fenster in das verrußte Treppenhaus zum Keller. „Da stinkts ohne Ende“, sagt der neunjährige Sebastian und rümpft die Nase. Der Brand sei ruckzuck gelöscht gewesen, lobt seine Mutter Silvia Knauf die Arbeit der Feuerwehrleute. Der Rauch, von dem sie auch aufgewacht sei, war allerdings schon vorher ins Schlafzimmer der Erdgeschosswohnung gezogen. „Ich kann die komplette Wäsche aus dem Kleiderschrank waschen, so stinkt die.“

Am Samstag ist das Feuer Tagesgespräch im Haus. Normalerweise sei die Tür zum Keller immer verschlossen. Wer sie ausgerechnet in dieser Nacht offen ließ, wissen die Bewohner nicht. Ab sofort wollen sie darauf achten, dass alle Eingänge nachts abgeschlossen sind.

Von Katja Rudolph

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