Brandserie in Kassel: Rauchmelder rettete vermutlich Menschenleben

Kassel. „Lena, Feuer." Mit diesen Worten wurde Anna-Lena Müller in der Nacht zum Donnerstag von ihrem Lebensgefährten aus dem Schlaf gerissen. Wieder hatte vermutlich der Kasseler Feuerteufel zugeschlagen.

Überall sei schon Qualm in der Wohnung im dritten Obergeschoss des Mehrfamilienhauses an der Quellhofstraße (Nordstadt) gewesen.

„Zum Glück hat sich mein Vater durchgesetzt und wir haben Rauchmelder in der Wohnung angebracht“, sagt die 27-Jährige. Durch den gellenden Alarm sei ihr Lebensgefährte wach geworden. Der Rest des Hauses habe gegen 4.15 Uhr im Tiefschlaf gelegen.

Als erstes holte Anna-Lena Müller ihren eineinhalb Jahre alten Sohn aus dem Bett, alarmierte die Feuerwehr und lief dann mit dem Kleinkind ans Fenster.

Die Feuerwehr sei innerhalb von zwei Minuten vor Ort gewesen und habe den Brand im Treppenhaus auch schnell gelöscht. Reifen, die unter einer Treppe lagerten, sowie Zeitungen wurden nach Angaben der Polizei von dem Brandstifter angesteckt.

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Am Osterwochenende hatte der Unbekannte zuletzt ein Feuer in einem Mehrfamilienhaus in Kassel gelegt. „Wir haben immer darauf geachtet, dass die Eingangstür verschlossen bleibt“, sagt die 27-Jährige. Warum sie in der Nacht zum Donnerstag trotzdem geöffnet war, weiß sie nicht. Seitdem der Brandstifter Kinderwagen und andere Gegenstände in Hausfluren angezündet hat, habe man auch alles weggeräumt, sagt Müller. Kinderwagen stehen nicht mehr im Flur. An die Reifen, die unter der Treppe verstaut waren, habe man gar nicht gedacht. Und die steckte der Brandstifter an.

Anna-Lena Müller will sich gar nicht ausmalen, was ohne die Rauchmelder hätte passieren können. Das Haus ist aus dem Jahr 1895. Überall ist noch Strohdämmung. Die Treppe ist aus Holz. „Das hätte gebrannt wie Zunder.“

Starker Brandgeruch im Treppenhaus erinnert am Donnerstagvormittag an das Feuer. „Es riecht ganz furchtbar.“ Nach dem Naseputzen ist Ruß im Taschentuch. Anna-Lena Müller hat ihren Sohn vorsichtshalber von einem Arzt untersuchen lassen. Die 27-Jährige hofft, dass der Branddstifter bald gefasst wird. Sie weiß, dass dies keine leichte Aufgabe für die Polizei ist.

„Es ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, sagt Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch über die Arbeit der Kriminalpolizei. Noch in der Nacht seien Personen überprüft worden, die bei den bisherigen Ermittlungen, zumeist durch früher begangene ähnliche Taten, in den Fokus der Ermittler geraten seien. Konkrete Hinweise auf den Brandstifter hätten sich dabei aber nicht ergeben.

Warum der Täter über zwei Wochen keine Feuer legte, darüber könne auch die Polizei nur spekulieren, sagt Jungnitsch. „Vielleicht hatte er keine Lust, kein Frusterlebnis, war im Urlaub, in Haft oder im Krankenhaus. Das sind Parameter, die wir überprüfen.“ (use)

Rubriklistenbild: © Pflüger-Scherb

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