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Landgericht Kassel ordnet für 36-Jährigen Unterbringung in Psychiatrischen Krankenhaus an

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Von: Ulrike Pflüger-Scherb

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Dachgeschoss in Flammen: Ein 36-jähriger Mann soll das Feuer in der Mittelfeldstraße 23 in Rothenditmold am 5. August 2021 gelegt haben.
Dachgeschoss in Flammen: Ein 36-jähriger Mann wurde am Freitag vor dem Kasseler Landgericht deshalb wegen schwerer Brandstiftung verurteilt. © Feuerwehr Kassel

Weil er in der Nacht zum 5. August vergangenen Jahres Feuer auf dem Dachboden eines Mehrfamilienhauses in der Mittelfeldstraße in Rothenditmold gelegt und damit seine Nachbarn in Gefahr gebracht hat, muss ein 36-jähriger Mann aus Kassel für unbestimmte Zeit in einem psychiatrischen Krankenhaus bleiben.

Kassel - Das hat die elfte Große Strafkammer des Kasseler Landgerichts am Freitag unter Vorsitz von Richter Senger entschieden. Zudem verurteilte die Strafkammer den Mann wegen schwerer Brandstiftung zu zwei Jahren und neun Monaten Haft. Diese Strafe wird mit der Unterbringung in der Psychiatrie verrechnet.

Die Kammer folgte bei dem Urteil den Ausführungen des Gutachters Hans Hufnagel, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Der hatte ausgeführt, dass der 36-Jährige spätestens seit dem Jahr 2014 an einer schizotypen Störung leide. Damals hatte der Mann innerhalb kurzer Zeit die Möbel aus seiner gesamten Wohnung geschafft, weil er das Gefühl gehabt habe, dass etwas damit nicht stimme. So hatte er es jedenfalls vor Gericht geschildert.

Dort räumte der Mann am Freitag auch ein, dass er das Feuer auf dem Dachboden gelegt habe. Er habe damit auf seine Schlafstörungen aufmerksam machen wollen. Er habe vor der Tat drei Tage und Nächte nicht schlafen können.

Er habe das Feuer nicht wegen seiner Schlafstörungen gelegt, sondern weil er an einer schizotypen Störung leide, sagte der Richter zu dem Angeklagten. Der 36-Jährige glaube selbst, dass er gesund sei. Der Mann, der seit Sommer in dem Psychiatrischen Krankenhaus in Haina untergebracht ist, verweigere deshalb auch eine Therapie und setze sich auch nicht mit der Tat auseinander. Das Gericht geht von einer verminderten Schuldfähigkeit und einer eingeschränkten Steuerungsfähigkeit des Mannes bei Begehung der Tat aus.

Auf der Anklagebank hatte der Mann, der als Industriemechaniker bei der Deutschen Bahn gearbeitet hat, erklärt, dass er auf keinem Fall in der Psychiatrie bleiben wolle. Wenn er die freie Wahl hätte, würde er lieber ins Gefängnis gehen. Dort bekäme er eine Einzelzelle und hätte nachts seine Ruhe.

Den Kontakt mit anderen Menschen hat der 36-Jährige immer so gut wie möglich vermieden. Er hatte noch nie eine Freundin, traf sich nicht mit Bekannten, nur ganz selten mit Angehörigen. Seinen Urlaub verbrachte er stets in den eigenen vier Wänden. „Corona war für mich gut. Da hatte ich Platz beim Einkaufen“, sagte der Angeklagte.

Die Brandstiftung sei für den Mann ein Hilferuf gewesen, so der Gutachter. Mit der Welt, wie sie ist, sei er nicht zurechtgekommen. Sein Ziel sei es gewesen, in ein Gefängnis zu kommen, wo er seine Ruhe habe. Das sei das Beste für ihn, habe er zu ihm nach der Tat gesagt, so der Gutachter. Sonst kille er noch jemanden.

„In der JVA wird man Ihnen nicht helfen können, da gibt es auch nicht nur Einzelzellen“, sagte der Richter bei der Urteilsverkündung. Er wünsche dem Angeklagten, dass er sich seiner Krankheit stelle und die Therapie annehme. Eine Alternative zur Unterbringung gebe es nicht. Denn von dem 36-Jährigen gehe nach wie vor eine hochgradige Gefährlichkeit aus.

Ein HNA-Austräger hatte in der Nacht das Feuer entdeckt und die Bewohner aus dem Schlaf geklingelt, sodass niemand verletzt worden ist. „Sonst wäre es vielleicht anders ausgegangen“, sagte Richter Senger.

Gegen das Urteil kann Revision eingelegt werden. (use)

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